Zurich - 6 February 2009 - 29 March 2009

Boden und Wand / Wand und Fenster / Zeit

Bruno Jakob: Untitled (Horse), 2003
Bruno Jakob: Untitled (Horse), 2003

(Ausschnitt)
Foto: Peter Püntener

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"Boden und Wand / Wand und Fenster / Zeit" ist der Versuch, die Aktualität modernistischer Ideen anhand einiger weniger Arbeiten der zeitgenössischen Kunst zu überprüfen und nach der Rolle und dem Sinn abstrakter Malerei in der Gegenwartskunst zu fragen. Zu entdecken sind Gemälde, aber auch Installationen, Videos und Objekte, neue und ältere Arbeiten, die in der Ausstellung räumlich verschränkt präsentiert werden. Beteiligt sind europäische und amerikanische Künstlerinnen und Künstler verschiedener Generationen, gemeinsam ist ihnen das Interesse an einer entgrenzten, transmedialen Malerei. Die Erkundung und künstlerische Entfaltung der inneren Komplexität des Mediums Malerei, zu der auch die Suche nach Bezugspunkten mit anderen Medien gehört, verbindet die Künstlerinnen und Künstler.

In der Ausstellung sind Arbeiten zu sehen von
Polly Apfelbaum (*1955 in Abington, PA, lebt und arbeitet in New York)
Katharina Grosse (*1961 in Freiburg i. Br., lebt und arbeitet in Berlin)
Bruno Jakob (*1954 in Jegensdorf, lebt und arbeitet in New York)
Adrian Schiess (*1959 in Zürich, lebt und arbeitet in Mouans-Sartoux)
Christine Streuli (*1975 in Bern, lebt und arbeitet in Berlin)
Niele Toroni (*1937 in Locarno-Muralto, lebt und arbeitet in Paris)
Duane Zaloudek (*1931 in Texhoma, Texas, lebt und arbeitet in New York)

Die Künstlerinnen und Künstler verwenden in den ausgestellten Arbeiten zweidimensionale Bildträger und malerische Verfahren im Raum. Ausschlaggebend für die Erscheinung der Arbeiten und die ästhetischen Erfahrungen, die sie ermöglichen, ist die Art der Verwendung des flachen Bildträgers. Flächen beinhalten Raum und Zeit. Flächen können hängen, liegen, stehen, und dies in unterschiedlichster Weise. Man kann eine Fläche durch einen Rahmen begrenzen oder in der seriellen Wiederholung von Flächen Offenheit herstellen. Man kann Flächen falten, stapeln, zerknüllen, zerreissen, in eine geometrische oder zufällige Form bringen. Immer hat die Malerei die Fläche als Ausgangspunkt. Diese Selbstbegrenzung gehört zu ihrer Identität. Nicht vorgegeben ist damit allerdings, wie sie das Potenzial ihrer Flächigkeit erkundet, nutzt und verwendet. Zu dieser Selbsterkundung der Malerei gehören, wie sich an den ausgestellten Werken nachvollziehen lässt, auch die Frage nach Berührungspunkten mit anderen Medien und der Versuch, diese aufzuzeigen.

Der Begriff der Transmedialität bezeichnet nach Roberto Simanowski den "Übergang von einer medialen Ausdrucksweise in eine andere" und ist eine spezifische Form der Intermedialität. Der Wechsel von einem Medium in ein anderes oder von einem semiotischen System in ein anderes - und zwar nicht das Ergebnis dieses Wechsels, sondern der Transfer, der in der Werkrezeption vollzogen oder thematisiert wird - ist dabei für die Transmedialität konstituierend. Transmediale Malerei überwindet die konventionellen Materialgrenzen und macht dabei gerade durch die Bezugnahme auf andere Medien, im "Medienübergang", wie Simanowski sagt, die Malerei selbst zu ihrem Thema.

Katharina Grosse: Gummistiefel (Virginia), 2005
Katharina Grosse: Gummistiefel (Virginia), 2005
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Wie es bei einer Thematik, die den Raum der Ausstellung einbezieht, nicht anders sein kann, geht es in dieser Präsentation verschiedener Positionen von abstrakter Malerei auch um die Ausstellung als Medium. Was kann eine Ausstellung leisten? Welche Erfahrungen ermöglichen die ausgestellten Werke? Und hängen diese Erfahrungen auch mit der Art der Werkpräsentation zusammen? Der Titel beschreibt das Programm der Ausstellung und im übertragenen Sinne zugleich die Eigenschaften der ausgestellten Werke. Boden und Wand, Wand und Fenster werden in vielfältiger Weise in Beziehung zueinander gesetzt. Sie sind die konkreten Orte künstlerischer Intervention, werden von den ausgestellten Werken unmittelbar angesprochen und bilden im Zusammenspiel einen spezifischen Erfahrungsraum von Malerei. Spezifisch insofern, als die ausgestellten Arbeiten entweder am Nullpunkt malerischer Darstellung orientiert sind, sich somit Prozessen der Minimierung verdanken, oder aber gerade aus entgegengesetzten Verfahren hervorgegangen sind. Ihre innere Logik entfaltet die Ausstellung durch diese vor unseren Augen ins Werk gesetzte Dialektik von Fülle und Leere, von Redundanz und Information.

Eine Ausstellung von Roman Kurzmeyer.

Zur Ausstellung erscheint in der edition fink (Zürich) eine Publikation mit Originalbeiträgen aller Künstlerinnen und Künstler und einem Text von Roman Kurzmeyer.

This Text in:

Helmhaus Zurich

Limmatquai 31
8001 Zurich
Phone: 
+41 44 251 61 77
Exhibition
6 February 2009 - 29 March 2009
Online since 13 February 2009
Opening Hours: 
Tues-Sun 10 am - 6 pm, Thur 10 am - 8 pm