Zurich — 3 May 2008
Erica Eyres
Haas & Fischer freut sich die kanadische Künstlerin Erica Eyres (*1980, lebt und arbeitet in Glasgow) zum ersten Mal in der Schweiz zu präsentieren.
Die Künstlerin überzeugt mit filigraner Zeichentechnik, bei der sie schwarzen, blauen und roten Kugelschreiber einsetzt. Trotz der feinen Machart und reduzierter Farbpalette zeugen die Porträts von erstaunlicher Ausdrucksstärke und greller Farbigkeit. Frauen mit strähnigem Haar und toupierten Frisuren, modisch orientiert an Kate Moss und Amy Winehouse, räkeln sich auf dem Bett oder stecken verschwörerisch die Köpfe zusammen. Dunkle Augenringe, blutrote Lippen und Wangen sind den Figuren der Kanadierin gemeinsam und lassen deren Antlitze dramatisch entrückt erscheinen. In der Art der Präsentation orientiert sich Erica Eyres an Abbildungen von Prostituierten in Kontaktanzeigen.
Eyres' Protagonistinnen bieten sich oft in lasziven Posen dar, wollen sexy und verführerisch wirken. Der erotische Effekt wird aber von der bitterbösen Überzeichnung der körperlichen Makel und kindlichen Requisiten wie Teddybären und Herzchensteppdecke gestört. Die Spannung verstärkend, widersprechen die vor Scham geröteten Bäckchen der Flirterei. Die Möchtegern-Lolitas sind eher verzweifelte Hausfrauen im Schulmädchen-Outfit. Mit diesen Widersprüchen formuliert Eyres subtile Kritik an der heutigen Gesellschaft mit ihren verzogenen Schönheitsidealen. In den wie verzerrte Spiegelbilder wirkenden Zeichnungen zeigt die Künstlerin die Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und wie wir von Anderen gesehen werden.
In ihren tragisch-komischen Videos bedient sich die Künstlerin der Ästhetik von Low-Budget Fernseh- und Filmproduktionen und durchmischt diese mit schwarzem Humor. Der Betrachter fühlt gleichzeitig Abneigung und Erbarmen gegenüber den Charakteren, die allesamt von der Künstlerin selbst gespielt werden. In der Ausstellung werden zwei Filme der Kanadierin gezeigt. "Imaginary Girlfriend" (2008) bezieht sich formal auf Familiensitcoms der 1980er Jahre. Auch filmisch gelingt es Erica Eyres Selbstdarstellung und zwischenmenschliche Konflikte satirisch auf den Punkt zu bringen. Die Künstlerin treibt das Groteske ihrer Protagonisten sowohl im Film als auch auf dem Papier so sehr auf die Spitze, dass es erstaunt, wie nah sie uns mit ihrer Kunst an den Kern der menschlicher Natur heranführt.

