Berlin - 3 May 2008 - 7 June 2008
Muntean/Rosenblum
Arndt & Partner freuen sich, mit der dritten Einzelausstellung des Künstlerpaares Muntean/Rosenblum die Zusammenarbeit der letzten Jahre weiterzuführen. Anlässlich des Berliner Galerienwochenendes bespielen die Künstler beide Etagen der Galerie.
Der malerische Ansatz von Muntean/Rosenblum ist traditionell, obwohl er sich ebenso sehr aus dem kollektiven Gedächtnis der Figurendarstellung in Populärmedien und Modemagazinen, wie aus den Motiven der Renaissance, des Barock und des Neoklassizismus speist. Die Bilder präsentieren sich als Tableaus des Daseins in der Jugend und sind sämtlich von einem weissen Rand umgeben. An den Ecken leicht abgerundet, erinnern sie im Format entfernt an ältere Fernsehapparate oder Comics. Handschriftliche Maximen, Aphorismen oder Kommentare unter jedem Bild sind so gehalten, dass sie sich nie direkt auf eine bestimmte Figur in dem Bild beziehen. Es sind Sinnsprüche, die im Zusammenhang mit dem Bild zweideutige oder vage Inhalte entfalten, von denen man aber nie genau sagen kann, in welcher Weise sie sich auf das Gezeigte beziehen. Die Jungen und Mädchen stehen meist an der Schwelle zum Erwachsen-werden und scheinen wie ergriffen von einer Ermattung oder Lethargie. Alle sind jung und attraktiv, aber man erfährt als Betrachter nichts über ihr Innenleben, das man unmittelbar einordnen könnte. Das, was vordergründig dargestellt wird, entgleitet uns zunehmend beim Betrachten, und obwohl uns diese jungen Leute mit ihrer modischen Kleidung, ihren Sportschuhen, ihrem bürgerlichen Lebensstil und dessen materiellen Requisiten vertraut vorkommen, entsteht weder eine Identifikation mit ihnen noch auch nur der Wunsch danach.
Zu Unrecht könnte nach dieser Beschreibung der Eindruck entstehen, dass Muntean/Rosenblum düstere oder pessimistische Bilder malen. Denn in jeder anderen Hinsicht sind diese Werke aussergewöhnlich. Sie verdeutlichen die grundsätzliche Problematik jeder figürlichen Malerei in der heutigen Zeit. Was die Künstler eine "polyphone Struktur" nennen, gerät zu einem genau austarierten System der Ambivalenzen, in dem jedes Element zugleich auf sich bezogen und selbstkritisch bleibt. "Eines der wichtigsten Themen ist für uns die heutige Vorstellung von Subjekt und Identität." Muntean/Rosenblums Analysen und Erforschungen der figürlichen Gesten und Posen kommt einer Art Iconologia unserer Zeit ziemlich nahe.
Wenn man ihre Gemälde mit ihren scheinbar taxonomisch angelegten Fotografien von Jugendlichen in den immer gleichen Posen und Gesten (den Arbeiten von Thomas Ruff durchaus ähnlich) vergleicht, so zeigt sich, dass den Künstlern in der Malerei eine ambivalente, symbolische Übersetzung und ein Akt der Idealisierung gelingt - was noch weiter dazu beiträgt, ihre Modelle mit einer allgemeinen Anonymität und einer Art Identitätsvakuum zu umgeben. Muntean/Rosenblum vollziehen eine Aneignung dieser jungen Möchtegern-Darsteller - worauf schon deren T-Shirts mit den von den Künstlern selbst entworfenen Mustern hindeuten. Keine Narben oder Makel verunzieren diese schönen jungen Menschen. Es gibt keine Gewalt und keinen rauen Umgang miteinander - nicht die geringste Spur des Elends bestätigt, was ansonsten normal und ein sichtbarer Ausdruck unserer Realität ist. Die passiven Figuren sind immer hochgewachsen, schlank und gedehnt. Sie verdeutlichen, dass es in diesen Werken mehr um die Konventionen der Malerei als um Wiedererkennbarkeit oder das Erzählen von Geschichten geht. Die Figuren werden nicht beschrieben, sondern als typologische Einheiten vorgeführt - nur ihre persönliche Habe nimmt dabei den Charakter eines Markenzeichens an. Es gibt daher auch keine Richtschnur oder vorgeschriebene Lesart der Bilder, und genau darin entfernen sie sich von der Tradition der Musterbücher in der Malerei: Sie machen uns keinerlei Vorgaben.
Paradoxerweise geht es Muntean/Rosenblum in ihrer Malerei genau um das Gegenteil dessen, was sie vordergründig zeigen - den lebendigen Augenblick. Der alles umfassende ennui ihrer Figuren verweist auf ein Gefühl des Verlustes, das sie eigentlich kennzeichnet - die jugendliche Suche nach Sinn und Identität. Das Vorführen von Jugendlichen und der Jugend als solcher offenbart nicht nur den scheinbaren Pessimismus dieser jungen Leute, sondern umfassender einen Zustand der gegenwärtigen Welt: einer westlichen Welt, in der uns alle Formen der gesicherten Identität kontinuierlich entgleiten, da wir uns selbst immer mehr in einem Zustand virtueller Existenz erfahren oder verlieren.
In einer Serie neuerer Malereien wird ein grundlegender Wandel auf der formalen Ebene deutlich. Anstelle der früheren, friesähnlichen Darstellung tendieren die beiden nun verstärkt zur auskomponierten Geste und zu einem komplexen Spiel der Haltungen. Beim Betrachten einer Landschaft wie "Untitled (It was as though...)" (2006) fühlen wir uns vor ein durchkomponiertes Bühnenbild versetzt. Es ist ein Barocktheater oder eine Opernaufführung, wenn auch übertragen in die Bildsprache heutiger Kostüme. Dieses Theater ist eines der kompositorischen Wechselverhältnisse. Der perspektivisch verkürzt dargestellte junge Mann mit seinen ausgestreckten Armen bildet einen Verbindungsbogen zu einem weiter links sitzenden Cowboytypen mit Flinte. Die gelbe Decke ist mit ihren Falten im Bezug fast identisch mit jenen, die für die florentinische Malerei des 14. und 15. Jahrhunderts typisch sind.
Vielleicht gehört es überhaupt zu den grössten Leistungen von Muntean/Rosenblum, dass sie die früheren Unterscheidungen zwischen Abstraktion und Figuration grundlegend aufgehoben oder auch umgangen haben. Ihr Werk macht deutlich, dass die Moderne eine willkürliche Dichotomie erzeugt hat, indem sie diese beiden Kategorien einführte. Denn angesichts der Figurationen von Muntean/Rosenblum fällt es leicht, diese sofort in abstrakte Wechselverhältnisse von Farbe und Form zu übertragen. Der Malerei von Muntean/Rosenblum scheint es weniger um dieses oder jenes Sujet zu gehen, als um die Malerei als solche. Das Sujet dient nur als Vorwand, um die Unmittelbarkeit der Malerei zu bestätigen. Man könnte die beiden Künstler so verstehen, dass das zeitgenössische figürliche Malen (als Malerei) zu einem Echoraum oder trügerischen Boden geworden ist, auf den man sich nie verlassen kann. Die Werke von Muntean/Rosenblum sind also keine Abbildungen des zeitgenössischen Lebens im Sinne einer Tradition der Moderne, die Edouard Manet begründet hat. Sie versuchen auch nicht, die Historienmalerei zu überwinden, sondern eher die Fragilität (manchmal auch Oberflächlichkeit) und die unendliche Wiederholbarkeit von deren bildlichem Vokabular in den Blick zu rücken. Wenn die Malerei von Muntean/Rosenblum etwas von einem Lamento hat, dann handelt es sich um das Beklagen der inneren Leere, um das traurige Mantra der ewigen Wiederkehr oder Wiederholung des Gleichen. Es geht darin, mit anderen Worten, um die gemeinste Ware unseres täglichen Lebens, und das vor allem im Kontext einer Jugendkultur mit ihren grossen Verheissungen, die dann so leicht in einem ennui der Mattigkeit und Enttäuschung enden.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Abraham Orden und Mark Gisbourne.

