Vienna - 18 September 2008 - 8 November 2008
Carmen Calvo - La Luz Y La Sombra
Nicht nur die Geschichte unserer Galerie, auch die der Künstlerin Carmen Calvo begann vor 35 Jahren. Wie in vielen Ländern Europas stieg auch in Spanien, in dem die Gesellschaft - unvergleichlich schlimmer als bei uns - zusätzlich auch noch vom faschistischen Francoregime zerfressen war, die Jugend gegen eine saturierte, erstarrte Gesellschaft auf die Barrikaden, um diese zu verbessern.
Ein Epizentrum dieser Utopien war Valencia, wo sich eine aufsässige junge künstlerische Generation anschickte, in die Fussstapfen von Tapies, Arroyo und der Alle prägenden Gruppe "Equipo Cronica" zu treten, um sich ein neues, IHR politisches und künstlerisches Dogma zurechtzulegen: Kunst als soziales und ästhetisches Engagement.
Und Carmen Calvo ist bis heute jung und unbequem, kein bisschen leise und kompromisslerisch: eine sture Wahrheitssucherin, die sich nie vereinnahmen hat lassen, auch nicht durch die Biennale in Venedig, an der erstmals eine Frau - "die CALVO" - Spanien 1997 repräsentierte, noch durch Ihre vielen Ausstellungen in den grossen Museen der Welt.
Carmen Calvo braucht keine grosse Themen, solange jeder neue Tag so viele neue, kleine private Tragödien, Katastrophen und Desaster gebiert, die sich für den Einzelnen in unentrinnbare Dimensionen auswachsen, welche heissen: missbrauchte Kindheit, Gewalt gegen Frauen, Liebe, Sexualität, Hass, Kriminalität, Schmerz, peinvolle Unterdrückung, Blut und Tod.
La Luz Y La Sombra
"Das Licht und der Schatten" so der Titel ihrer ersten Ausstellung in Wien in der Galerie von Mario Mauroner, mit dem Carmen Calvo eine lange, internationale Zusammenarbeit verbindet.
Die Ausstellung beginnt mit grossformatigen Glasarbeiten, die uns vom Licht erzählen, welches uns blendet und uns in die Dunkelheit fliehen lässt. Dort treffen wir auf maskierte Persönlichkeiten und ihre geheimen Attituden, welche "durchdringendes" Licht wie eine Bühnenmaschinerie ans Tageslicht bringt. Die Maske wird zum Zufluchtsort des Menschen.
In einem nächsten, nachtdunkeln Raum begegnen wir einzelnen, auf kostbarem Goldgrund dargebotenen Objekten - Fetischen des Alltags, die manifestieren, dass es Leben gibt, welches eben durch diese Objekte lesbar wird.
Eine Seelenverwandtschaft verbindet Sie auch mit dem britischen Film- und Theatermann Nicolas Hytner und seinem Satz "das Licht gebiert Dunkelheit". Carmen Calvo ist wie er eine gewiefte Regisseurin, die es versteht uns nicht mit Erinnerungen, sondern mit tagtäglichen Obsessionen herauszufordern und zwingt, uns emotionell zu engagieren. Hauptbestandteil Ihrer Arbeit sind die bitteren Geschichten des Lebens gepaart mit theatralischen Momenten, wobei die Wirklichkeit immer mühelos die Fiktion übertrifft. Und genau an dieser Stelle schlägt auch die Stunde der Carmen Calvo und der ewig subversiven Kraft der Kunst.
Gleichzeitig eröffnen wir im RoomnumberOne der Galerie die Ausstellung: Tanya Antoshina - My Favorite Artists
Die aus Sibirien stammende, in Moskau lebende Künstlerin beschäftigt sich in diesem neuen, nun erstmals in Wien ausgestellten Zyklus in ironisch liebevoller Weise mit Eigen- und Merkwürdigkeiten von von Ihr besonders geschätzten KünstlerkollegInnen. Die charmante, mit Augenzwinkern vorgetragene "Attacke" der Russin zeigt neue Facetten einer Künstlerin, deren frühere Malerei und Fotoarbeiten zuletzt in Londoner Auktionen für Furore gesorgt haben.



