Berlin - 5 September 2008 - 25 October 2008
Edges of Darkness
Frank Badur, Ronald de Bloeme, Gabriela Fridriksdottir, Nuria Fuster, Max Gimblett, Adler Guerrier, Prudencio Irazabal, Mahony, Stefana McClure, Judy Millar, Ad Reinhardt, Ragna Robertsdottir, Sophia Schama, Jörg Scheibe, Fabian Seiz
"She walks in beauty like the night...." (Byron)
"als ob ein Engel, der den Raum umfasst, blind waere und in sich schaute...."
"As if an angel were blind and looking in on himself...." (Rilke)
"Denn was man schwarz auf weiss besitzt,
Kann man getrost nach Hause tragen." (Goethe)
Mit der Ausstellung "Edges of Darkness" präsentiert die Hamish Morrison Galerie eine Reihe von Künstlern, die sich, ausgehend von den unterschiedlichsten ästhetischen Ansatzpunkten, mit dem Thema Schwarz auseinandersetzen. So hat sich der Name Ad Reinhardt mittlerweile zu einem Synonym für eine intensive und komplexe Durchdringung des Phänomens Schwarz entwickelt. Wohingegen der spanische Maler Prudencio Irazábal, der sich bisher vorrangig dem Licht und der Farbe widmete, hier in einen eher seltenen Dialog mit der Finsternis tritt.
Wie der Titel bereits andeutet, liegt der Schwerpunkt der Ausstellung weniger auf einer strengen, monochromen Auffassung des Themas als vielmehr auf der Verdeutlichung der enormen Variationenvielfalt ja Farbigkeit von Schwarz. Das Spektrum reicht von der spiegelglatten, schwarzen Tiefe einer Teerskulptur der Wiener Künstlergruppe Mahony über die mannigfaltigen Tönungen in den Gemälden von Jörg Scheibe oder Ronald de Bloeme bis hin zu einer grossen Wandarbeit aus schwarzem Lavastein der isländischen Künstlerin Ragna Robertsdottir.
Frontal betrachtet erscheint diese Wandarbeit wie die Negativform eines nächtlichen Firmaments, welches an dunkler Dichte gewinnt, je weiter sich der Betrachter zur Seite bewegt. Eine sehr ähnliche Erfahrung bergen die Strukturgemälde von Sophia Schama. Die Schicht für Schicht aufgetragenen, dunklen Pinselstriche erschaffen eine nahezu astrale Welt, die sich seitlich betrachtet in ein silbrig schimmerndes Geflecht verwandelt. Auch Stefana McClure verwendet in Ihrer Papierarbeit feine Farbschichten. Minutiös schreibt sie Zeile für Zeile den Untertitel eines Spielfilms übereinander, so dass sich der ursprünglich gesprochene Inhalt nun wie ein dichter Nebel über die dunkel gefärbte Fläche einer imaginären Leinwand legt.
Dunkelheit schärft die Sinne. Das Auge sucht nach dem kleinsten Teilchen Licht, nach der winzigsten Veränderung in der schwarzen Tiefe. Mit diesem Effekt arbeitet Adler Guerrier auf seinen schwarzen Holztafeln. Schwarz auf schwarz tauchen längst vergessen geglaubte politische Statements wieder auf - oder sind sie im Begriff gänzlich im Dunkel zu verschwinden? Schwarz auf weiss galt lange als ein Synonym für Wahrheit und für Gewissheit. Steht weiss auf schwarz dann für die Lüge und die Ungewissheit? Diese Frage könnte man unter anderen in der Arbeit "Death Tour 04" von Fabian Seiz lesen. Auch Ronald de Bloeme spielt mit der Wirkung von schwarzem Text, wenn er die Worte selbst schwärzt und nur die Zeilenform beibehält. Schwarze Zensurbalken, sauber gegliedert, schwarz auf weiss, weiss auf schwarz. Wahrheit oder Lüge? Form oder Inhalt?
Es heisst Schwarz sei keine Farbe, Schwarz sei ein Zustand, die Abwesenheit von Licht. Schwarz ist jedoch auch aktiv, Schwarz bedeutet die Absorption des vorhandenen Lichts. Die Abstufungen von Schwarz sind abhängig von der Dichte der lichtreflektierenden Substanz. Schwarz birgt alle Widersprüche in sich, ist Alles und Nichts. Vielleicht ist das eine der Erklärungen für die ambivalente Rolle die Schwarz in der Kulturgeschichte spielt. Alles und Nichts sind Begriffe die über unsere Vorstellungskraft hinausgehen und sie gerade deshalb permanent herausfordern. Schwarz in der Kunst, das möchte diese Ausstellung verdeutlichen, steht auch für die Beteiligung des Betrachters an den elementaren Fragen, mit denen der Künstler sich permanent konfrontiert sieht.
Im Büro: Jonathan Hartshorn, Lost in Space, Grow a Horse's Tail.



