Münchenstein - 26 April 2008 - 21 September 2008

Andrea Zittel, Monika Sosnowska - 1:1

Andrea Zittel: sfnwvlei (Something for Nothing with Very Little Effort Involved) Note #2, 2002
Andrea Zittel: sfnwvlei (Something for Nothing with Very Little Effort Involved) Note #2, 2002

Gouache und Bleistift auf Birkenholz, 60.9 x 91.4 cm

© Andrea Zittel

Foto: Josh White

Courtesy Regen Projects, Los Angeles, and Andrea Rosen Gallery, New York

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Protagonistinnen der diesjährigen Ausstellung sind Monika Sosnowska (geb. 1972, Polen) und Andrea Zittel (geb. 1965, Kalifornien). Zu sehen ist eine Gruppe von neun, zum Teil monumentalen Skulpturen von Monika Sosnowska, die den offenen Raum im Untergeschoss des Schaulagers in Besitz nehmen. Darüber breitet sich in einer dichten Abfolge von rund hundert möbelartigen Objekten, Raumgebilden und Gegenständen sowie etwa 120 Gouachen, Zeichnungen und Malereien auf Holz das vielgestaltige Universum von Andrea Zittel aus, wie sie es seit 1992 entwirft.

Im Schaulager treffen die beiden Positionen zum ersten Mal aufeinander. Die eine, Zittel, in Form einer breit angelegten, narrativen Präsentation ihres merkwürdig eindrücklichen, in seiner Direktheit berührenden Projektes. Die andere, Sosnowska, in Form von vereinzelten Skulpturen, die momenthaft Einblicke in einen subversiven Gedankenfluss geben und die Logik des grossen Ausstellungsraumes aufheben.

Sämtliche Objekte in der vielteiligen Installation, die Andrea Zittel im Schaulager eingerichtet hat, erinnern an Zusammenhänge, die mit Wohnformen und -räumen zu tun haben. Es sind minimale und schöne, formvollendete Konstruktionen und Gegenstände. Sie wirken zumeist neu und modellhaft und scheinen sich dabei doch klar auf eine bestimmte einzelne Person zu beziehen. Die bilderbuchartigen, buntfarbigen Gouachen und Gemälde sind Entwürfe und Illustrationen, die in einer faszinierenden Mischung von anonymem Bericht und Tagebuch die Entstehung des Zittelschen Lebensentwurfs zu dokumentieren scheinen. Noch nie wurden sie so umfassend gezeigt.

Monika Sosnowska: Ohne Titel, 2003
Monika Sosnowska: Ohne Titel, 2003

Papier und Karton, ca. 40 x 40 x 70 cm

Sammlung Kenneth L. Freed, Boston, MA

© Monika Sosnowska

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Die Skulpturen, die Monika Sosnowska im Schaulager zu einer weiträumigen Installation zusammenbringt, sind zum Teil ganz neu geschaffen oder in vollkommen neuer Form eingerichtet. In Gestalt und Materialien erinnern sie alle an Teile von unfertigen - verfallenden oder noch unbeendeten - Gebäuden, und sehen so aus, wie wenn der Ausgangspunkt ihrer Entstehung eine Baustelle wäre. Allerdings haben sich die Objekte von der "Baustelle" bis in den Ausstellungsraum verselbständigt und zu Subjekten transformiert, die zum Teil phantastische Gestalt annehmen.

Die beiden Künstlerinnen reagieren auf ihre jeweilige Umgebung, auf Architektur, Wohnraum, Lebensform und Tradition - sei dies in New York und Los Angeles bei Zittel, sei es im Warschau des 21. Jahrhunderts bei Sosnowska. Andrea Zittel mit scheinbar zur Benutzbarkeit geplanten Raum-, Möbel- und Gegenstandsentwürfen; Monika Sosnowska mit fiktionalen Raumgebilden, Form gewordenen mentalen Raumerkundungen. Beide im Massstab 1:1 konstruiert.

Das "1:1" im Ausstellungstitel nimmt zuerst wörtlich auf die tatsächliche Massstäblichkeit vieler Werke von Monika Sosnowska und Andrea Zittel Bezug, die ungewöhnlich ist und auffällt. Hervorgehoben wird damit aber auch, dass sich das künstlerische Schaffen von Zittel und Sosnowska in einem Grenzbereich zwischen Kunst und Wirklichkeit abspielt, dass es - unter ganz verschiedenen Vorzeichen - in beider Schaffen immer wieder um das Austesten des Verhältnisses von Kunst und Wirklichkeit geht. Kein Wunder daher, wenn auch bemerkenswert, dass beide ein Interesse an der Epoche der Moderne mit ihren sozialen Utopien und konkreten Versuchen, Leben und Kunst zusammenzuführen, zeigen.

Grenzverwischung zwischen unterschiedlichen Wirklichkeitsebenen ist im Leben und Werk sowohl von Andrea Zittel als auch von Monika Sosnowska ein prägendes Merkmal.

Andrea Zittel wurde 1965 in Escondido in Kalifornien geboren. Nach der Schule besuchte sie die San Diego State University, und schloss 1988 mit einem BA in Painting and Sculpture ab. Im Anschluss daran zog Zittel an die Ostküste, an die Rhode Island School of Design in Providence, und erlangte dort 1990 den MA of Sculpture. Die nächste und erste selbständige Station war New York, wo sie sich in Brooklyn niederliess.

In New York begründete Zittel 1991 ihr künstlerisches Unternehmen "A-Z", ein Projekt, in dessen Rahmen sie seither alle ihre Recherchen durchführt und ihre Werke entwirft, produziert und testet. Mit "A-Z" schafft sich Zittel den experimentellen Raum für eine Parallelwirklichkeit, in der die Unterscheidung von Kunst und Realität obsolet geworden ist. In dieser Zeit setzt auch die Ausstellungstätigkeit ein, die seither Teil ihrer Arbeit geworden ist. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre verlässt Zittel für längere Perioden New York, während denen sie sich in Europa aufhält oder auf längeren Reisen das Land Amerika erkundet. Immer wieder führt in diesen "Wanderjahren" die Reise in den Westen. 2000 schliesslich beginnt Zittel ein neues Kapitel in und um Los Angeles. Sie erwirbt südöstlich von Los Angeles in der Wüste von Kalifornien (Joshua Tree) eine verlassene Unterkunft (ein ehemaliges sog. Homestead Cabin) und das dazugehörige Stück Land, das Zittel nun "A-Z West" nennt und zu ihrem neuen Versuchsfeld macht. Dort und in Los Angeles lebt sie seither.

1972 in Ryki im Südosten von Polen geboren, gehört Monika Sosnowska schon einer anderen Generation an. 1993 bis 1998 absolvierte sie die Kunstakademie in Posen. Danach, 1999-2000, verbrachte sie zwei Jahre in Amsterdam an der Rijksakademie für Bildende Kunst. In Amsterdam hatte Sosnowska ihre erste Ausstellung. Ausstellungen sind ein für sie wichtiges Medium, da sie oft erst die Voraussetzung für die Realisierung eines Werkes bieten.

Nach Ablauf der Akademiezeit in Amsterdam kehrte sie nach Polen zurück. Jetzt wurde die Hauptstadt Warschau der neue Wohnort, dort wo sich seit Ende der 1980er Jahre eine aktive und lebendige, weit herum beachtete Kunstszene herausgebildet hatte. Wie bei ihren Künstlerkollegen ist das eigene Erbe und die Umbruchsituation der letzten Jahre eine prägende Vorgabe für ihr Schaffen. Bester Schauplatz dafür sind ihr die Städte, allen voran Warschau. Der schnelle Wandel, in den sie geraten sind, und seine Folgen, die zahlreichen Auflösungserscheinungen ebenso wie die Spuren vergangener Utopien, bilden den Nährboden, von dem aus Sosnowska ihre begehbaren Raumbilder entwickelt. Besonderes Aufsehen erregte Sosnowska mit ihrem Beitrag, den sie im vergangenen Sommer an der Biennale von Venedig im Polnischen Pavillon installiert hatte.

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Schaulager

Ruchfeldstrasse 19
4142 Münchenstein
Phone: 
+41 61 335 32 32
Fax: 
+41 61 335 32 30
Exhibition
26 April 2008 - 21 September 2008
Online since 21 April 2008
Opening Hours: 
Di/Mi/Fr 12 - 18 Uhr, Do 12 - 19 Uhr, Sa/So 10 - 17 Uhr