Schlieren - 17 August 2008 - 14 September 2008
Ursula Hirsch - Hausinhaus M 1:1,618
Die zweitletzte Ausstellung der Reihe "FokusSkulptur*" in der Kunstkammer, dem strahlend gelben Ausstellungskubus der AZB, Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer, bestreitet Ursula Hirsch mit einer neuen, eigens für den Kubus geschaffenen Installation.
In der Kunstkammer baut Ursula Hirsch aus Fichtenkantholz die architektonische Struktur, die sie in ihren modellhaften Skulpturen entwickelt hat als Haus in den Proportionen des Goldenen Schnittes nach. Die zeichenhafte Struktur wird in der Kunstkammer jedoch nicht allein zu einer begehbaren Installation. Die Künstlerin versteht "Hausinhaus" als Experimentierraum. Sie sucht das Gespräch mit dem Publikum, um mit diesem Gedanken auszutauschen, und darüber zu diskutieren wie die "gebaute Skizze", wie der Bauplan, allenfalls in die Realität zu übersetzen sei.
Seit den 1990er Jahren erfindet die Zürcher Künstlerin und Mitglied der AZB Metaphern für das menschliche Sein. 1993 entsteht "Maturité", ein Objekt, das den Menschen als Objekt definiert. Die Stuhlobjekte von 1999/2000 in den Positionen - sitzen, stehen, liegen – versinnbildlichen die Stationen des Lebens eines Individuums. Parallel dazu entstehen Hausobjekte. Mit den kistenartigen Strukturen der Hausobjekte - mit Tischplatten, Bänken, Wandmalereien und spezifischem Lichteinfall - definiert Ursula Hirsch das Haus als Ort der Kommunikation. Die modellhaften, aus Sperrholz gebauten Architekturen, sind einerseits skulpturale Objekte an sich. Sie sind aber andererseits auch benutzbar und sind so als Versuchsanordnungen für zwei oder mehrere Individuen zu verstehen. Steht bei gewissen Objekten das Individuelle im Vordergrund so richtet die Künstlerin den Fokus bei den verschiedenen Hausobjekten auf Aspekte des Gesellschaftlichen, des Sozialen und Politischen.
Mit dem in der Kunstkammer gebauten "Hausinhaus" im Massstab 1:1,618 spielt die Künstlerin mit einem weiteren Schritt ihres Konzeptes, die architektonische Struktur aus der modellhaften Grössenordnung herauszuführen und "Hausinhaus" in naher Zukunft vielleicht einmal als reales Haus im Massstab 1:1 zu bauen.
Kathrin Frauenfelder
Gastkuratorin Kunstkammer 07/09

