Berlin - 19 April 2008 - 7 June 2008

Susanne Kühn

Susanne Kühn: Flo's Studium, 2008
Susanne Kühn: Flo's Studium, 2008

Courtesy of Goff + Rosenthal, New York/Berlin

Goff + Rosenthal zeigt fünf neue Bilder und farbige Zeichnungen der Malerin Susanne Kühn.

In den jüngsten Arbeiten von Susanne Kühn sind Interieurs zu sehen, in die die Aussenwelt auf vielfältige Weise eindringt. Den stark konstruierten Räumen sind Landschaften entgegengesetzt, die das Verhältnis von Architektur und Landschaft in Frage stellen und die Perspektive verzerren, so dass die Personen wie hineingesetzt wirken. Kühn experimentiert mit Historischem und Zeitgenössischem, Bekanntem und Fremdem, und spielt mit dem Gleichgewicht malerischer Elemente, um einen ureigenen dreidimensionalen Raum zu schaffen. Ihre komplexen Bilder untersuchen das Zusammenspiel verschiedener künstlerischer Sprachen, die sich innerhalb der Arbeiten auflösen. Höchst private Interieurs mit Renaissanceproportionen stellt Kühn romantisierenden und doch grotesken Aussenwelten gegenüber, die sich aus vielerlei Traditionen speisen (z. B. der japanischen und deutschen Tradition; aber auch eine Comic-Künstlichkeit wird sichtbar).

Kühns postmodernes Bewusstsein der vielfältigen, oft widersprüchlichen Einflüsse, die unser Alltagsleben durchdringen, zeigt sich in Details wie Ornamenten, Bilderrahmen, Bauklötzen, kunstvoll gemusterten Stoffen und Büchern. Viele ihrer jüngsten Werke zeigen Kunstbücher, die möglicherweise ihre Arbeit beeinflusst haben: ein Buch über die Holzschnitte von Hokusai oder eine broschierte Ausgabe von Holbeins Werken. Da sie allerdings nicht Teil eines Stilllebens sind, sondern von Kühns Protagonisten benutzt werden, wird klar, dass sich die Künstlerin für die Doppelschichtigkeit des Lesens interessiert: Realität und Fiktion, Identifikation und eine historische Neugier; eine Untersuchung der Werte innerhalb unseres Kulturraums.

Die flüchtige Realität des Dargestellten, in dem alles aus der Entfernung erkennbar erscheint, zerbricht bei genauerer Betrachtung, und sein surreales Wesen wird deutlich. Flache Farb- und Pinselstriche erweisen sich als zarte Abstraktionen von Form und Farbe, während ineinander verschachtelte Raumsegmente auf die endlosen Brechungen in dieser Malerei verweisen. Die Bildräume sind mit Figuren besetzt wie eine Bühne mit Schauspielern. Doch vermitteln diese Figuren kein Gefühl von Beweglichkeit; vielmehr sind sie in einer bestimmten Position eingefroren, eingepuppt in die Szenerie, und sehr viel weniger selbstsicher als dies zunächst erscheinen mag. Üblicherweise stellt Susanne Kühn einsame Figuren dar, doch diese Ausstellung zeigt auch eines ihrer jüngsten Werke, "Katja", in dem zwei Figuren portraitiert werden. Und mit "Flo's Studium" stellt Kühn erstmals eine Arbeit mit einer männlichen Figur vor.

Susanne Kühn, 1969 in Leipzig geboren, studierte Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Von 1995 bis 2002 hatte sie diverse Stipendien, die es ihr ermöglichten, in New York und Cambridge, Massachusetts, wo sie ein Radcliffe Fellowship an der Harvard University hatte, zu leben und zu studieren.

Ihre Einzelausstellung im Kunstverein Freiburg 2007 geht im Mai 2008 an das Museum of Contemporary Art in Denver. Begleitet werden beide Ausstellungen von einer Monographie über die Künstlerin, die im September 2007 bei Hatje Cantz erschienen ist. Desweiteren werden Kühns Arbeiten in folgenden Gruppenausstellungen gezeigt: "Future Tense: Reshaping the Landscape", Mai 2008, Neuberger Museum of Art, USA; "Böhmen liegt am Meer", Mai 2008, Museum Frieder Burda in Baden-Baden; "House Trip", Artforum 2007, Berlin.

Kühns Arbeit wurde in zahlreichen Publikationen besprochen, so unter anderem in ART (2/08), Künstler - Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst (2/08), Die ZEIT, Magazin Leben (12/07), Der Spiegel (9/07), Art in America (2/06), Monopol (10/04), FAZ (3/02), NY Times (12/00) und Artforum (10/99).

This Text in:

Galerie Goff + Rosenthal

Brunnenstrasse 3
10119 Berlin
Phone: 
+49 30 437 35 083
Fax: 
+49 30 437 35 084
Exhibition
19 April 2008 - 7 June 2008
Online since 13 April 2008
Opening Hours: 
Tues-Sat 11 am - 6 pm