Zurich - 11 July 2008 - 9 August 2008
Sommercamp 2008 - 8 Diplomschüler der Abschlussklasse Bildende Kunst 2008 ZHdK
Die Galerie Haas & Fischer hat acht Diplomschüler der Abschlussklasse Bildende Kunst der ZHdK dazu eingeladen, in den Galerieräumen neue Arbeiten zu präsentieren. Die jungen Küstlerinnen und Künstler bespielen den Ausstellungsraum in eigener Regie mit medial und thematisch unterschiedlichen Positionen. Das Sommercamp wird erstmals durchgeführt und soll mit Kunstschaffenden der nächsten Jahrgänge wiederholt werden.
Forian Bühler's (*1983) Malerei wirkt auf den ersten Blick fotorealistisch. Seine Motive entstammen Pornoheften, mittelalterlichen Mariendarstellungen oder eigenen fotografischen Beobachtungen im Museumsshop. Oft markieren diese ikonografischen Bekannten aus Pop- und Hochkultur den Anfang seines malerischen Arbeitsprozesses, der sich längst nicht mit der rastergenauen Übertragung einer Fotografie begnügt.
Für die Videoinstallation "Klara" (2008) arbeiten Egger/Schlatter (*1981/*1977) einmal mehr ortsbezogen. Das Video wurde in und vor der Galerie gedreht. Klara steht im verspiegelten Videobild und dreht ein Ei in der Hand. Plötzlich wirft sie es in Richtung Kamera und überrascht damit nicht nur den Betrachter, sondern hinterlässt auch grelle Farbspuren. Ein poetisch-subversives Spiel mit Perspektiven, Erzählkonventionen, Innen- und Aussenräumen.
Selbst formulierte Programme und Regelwerke dienen Florian Germann (*1978) dazu, Transformationsprozesse zu artikulieren. So kann ein Landschaftsbild durch ein komplexes Verfahren in eine Skulptur überführt werden. Germann arbeitet zurzeit am Projekt "Ballungszentrum aller Energien", das im Sommer 2008 seinen Abschluss in der Stadt Zürich finden wird.
Die polnische Künstlerin Zofia Kwasieborska (*1984) bringt oft Elemente aus Performance, Film, räumlicher Installation und Ton zusammen und versucht, zwischen den einzelnen "Sprachen" zu übersetzen. In ihrem neuen Werk untersucht sie Aspekte des Zeichnungsprozesses in Form einer Rekonstruktion des Bodens und der Decke des Ausstellungsraumes und verknüpft diese mit Bildern und präparierten Geräuschen.
In seinen dreidimensionalen Arbeiten und Bildern versucht Mathias Renner (*1981) persönliche Kultobjekte und Kultstätten zu erschaffen, die auf archaische Motive verweisen. Mithilfe von Zitaten architektonischer Elemente gelangt er zu einer Formensprache, die sich an Repräsentationsarchitekturen orientiert und die durch mystische Verklärung auf vergangene Hochkulturen verweist.
André Willimann (*1984): Die gezeigten Drucke stammen aus einer Serie, die nach den Prinzipien des Moonwalk choreographiert ist und sich der Symbolik des Dekadentismus bedient. Der Moonwalk ist ein Tanzschritt, bei dem sich der Tänzer bewegt, als würde er vorwärts schreiten, tatsächlich aber gleitet er rückwärts. Zwei Bewegungen werden im Effekt vereint. Analog dazu kombiniert der Künstler ausgewählte Bilder und verändert dabei deren Kontext und Wirkung. Er zitiert die Bildwelten abendländischer Kultur und führt sie anhand der, von J.M. Barry geschaffenen Wunderwelt Nimmerland, vor. Die Bilder André Willimanns sind rationale Transformationen von Banalitäten in Fiktion und beschwören die diffusen Ängste, brüchigen Hoffnungen und verborgenen Wünsche ewiger Dekadenz.
Gesammelte Postkarten, Zettel und andere Fundstücke dienen Sebastian Utzni (*1981) zum Nachspüren von Geschichten. Durch zufällige Internetrecherche findet der Künstler historisch interessante Orte, bereist und fotografiert sie. Daraus entstehen melancholisch wirkende, meist kleinformatige Gemälde. Die Arbeit "Altes Reich" (2008) entstand während seines Aufenthalts in Beijing. Für die Olympischen Spiele rüstet die Metropole mit neuer Architektur auf. Neben den glitzernden Arenen und Stadien leben in einfachen Unterkünften hunderttausende Wanderarbeiter, durch deren harte Arbeit die Prachtbauten entstehen. Für die eigenen Behausungen verwenden sie Abfallprodukte der Baustellen. Der Maler hat Material am Rande der Grossbaustellen und Arbeiterwohngegenden gesammelt, um es als Malgrund für seine Portraits der Olympia-Architektur einzusetzen.
Die fotographischen Inszenierungen und Collagen der Künstlerin und Sängerin Silvie Zürcher entführen den Betrachter meistens in Bühnenräume. Das auftretende Ensemble stammt oft aus anderen Bildquellen und wird im Arbeitsprozess digital eingearbeitet oder analog mit den Kulissen zusammengefügt. In ihren Werken spielt Silvie Zürcher mit den Begriffen Männlichkeit und Weiblichkeit, und schlüpft oft in Rollen männlicher Archetypen. Der Identitätswechsel führt zum Ausbau der eigenen Persönlichkeit, was den Vorstellungen der Kunstschaffenden von persönlicher Freiheit entspricht.
Einige Informationen stammen aus dem Katalog "Die Letzte", Diplompublikation 2008, edition fink, Zürich 2008.

