Stuttgart - 11 April 2008 - 24 May 2008
Pia Maria Martin - Go
Die Galerie Reinhard Hauff freut sich, mit "Go" die dritte Einzelausstellung der in Stuttgart lebenden Künstlerin Pia Maria Martin (*1974) zu eröffnen. Pia Maria Martin, die mit ihren aufwändigen Stopptrickanimationsfilmen bekannt geworden ist, greift in ihrer neuesten Arbeit auf Themen und Techniken ihrer frühen Filme zurück und schafft damit ein verworrenes Panoptikum phantastischer Geschichten und möglicher Projekte. Der Titel der Ausstellung ist dem chinesischen Brettspiel "Go" entliehen, bei dem die Spielzüge der Akteure - ganz ähnlich wie die animierten Objekte in Pia Marias Martins Filmen - dem abstrakten Regelwerk einer unsichtbaren Choreographie unterliegen.
Die Protagonisten in Pia Maria Martins Arbeiten sind herumliegende Alltagsgegenstände, Fundstücke oder Möbel, die in unendlich vielen Einzelaufnahmen abgelichtet und durch das Abspielen des so entstandenen Films zum Leben erweckt werden. Auf diese Weise entstehen surreale Handlungsabläufe, die dort beginnen, wo vom gewohnten Blick des Betrachters zunächst ein Status Quo bestimmter Arrangements vorausgesetzt und nicht weiter hinterfragt wird. Die einzelnen Bestandteile klassischer Stilleben bleiben so beispielsweise nicht in ihrer vorausgesetzten Statik verfangen, sondern beginnen in ihren Bilderrahmen zu verwelken, zu verfaulen und letztendlich in sich zusammen zu fallen. Ein totes, bereits gerupftes und zerteiltes Suppenhuhn entflieht dem Kochtopf und näht seinen Körper aus eigener Kraft wieder zusammen. Stühle, die aufeinander gestapelt für ihren nächsten Gebrauch bereitstehen, entwickeln ein scheinbar selbstbestimmtes Eigenleben und beginnen in Formationen zu tanzen.
In ihrem aktuellen Film, dessen Material auf 16mm gedreht und anschliessend digitalisiert wurde, geht Pia Maria Martin bezüglich der Entwicklung ihres Plots noch einen Schritt weiter: sie macht ihr eigenes Atelier zum Schauplatz und die von ihr verwendeten Werkzeuge zu Protagonisten, die mit den verstreut umherliegenden Objekten im Atelierraum in Korrespondenz treten. Die Kamera - eine Bolex H16, die Pia Maria Martin schon für ihre früheren Projekte benutzt hat - erfährt in diesem Zusammenhang eine Verwandlung vom Werkzeug des Filmemachers zur eigenständigen kinematographischen Figur. Auf der Jagd nach einem geheimnisvollen, an verschiedenen Orten des Raumes wie aus dem Nichts auftauchenden Eisvogel begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise durch das Atelier der Künstlerin.
Wie schon in früheren Arbeiten, in denen die Künstlerin auf traditionelle Genres der Malerei zurückgegriffen hat, stellt sich Pia Maria Martin auch mit der Thematisierung ihres eigenen Ateliers in eine lange künstlerische Tradition. Der sonst vor den Augen der Öffentlichkeit verschlossene Atelierraum wird dabei jedoch nicht als Ort der Produktion, sondern als Quelle der Inspiration inszeniert. Indem sie ihr filmerisches Equipment bewusst im Film auftreten lässt, macht Pia Maria Martin das Herstellungsverfahren zum narrativen Bestandteil ihrer Arbeit und die Produktion selbst auf eine spielerische Art und Weise zum Reflexionsgegenstand der Ästhetik.
Werke von Pia Maria Martin befinden sich unter anderem in der Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart und des Kunstmuseum Stuttgart.

