Zurich - 28 August 2010 - 6 November 2010
Manuela Leinhoß - Beautiful my desire
"Beautiful my desire", Manuela Leinhoß' erste Einzelausstellung bei RaebervonStenglin, stellt die präzise, feinfühlige Arbeitsweise der Berliner Künstlerin in Zürich vor. Für ihre Skulpturen nutzt Leinhoß Materie, um Nicht-Physisches anzusprechen, fördert Gefühlswelten und Gedanken mit Hilfe von rätselhaften und beunruhigenden Formen zu Tage. Gewissheit wird durch Leinhoß' prozesshafte Arbeiten ausgehebelt, die Trennung der sinnlichen und geistigen Wahrnehmung unterstrichen und so die Gegensätzlichkeit zwischen der inneren und der äußeren Welt betont, in der das eigene Ich lernen muss, sich zurechtzufinden.
Die Titel von Manuela Leinhoß’ Arbeiten sind sinnträchtig und fantasievoll; sie beschwören große Schönheit und Gefühle. Häufig sind sie der Poesie entlehnt - Sylvia Plath, Rainer Maria Rilke, Emily Dickinson und Theodore Roethke haben als Vorlagen gedient -, einige Titel wie "Entering into" und "Like embers" sind erdacht. Ihre Worte sind wie Entdeckungen, Ideen mit denen die Künstlerin lebt, und die sie auf ihre Essenz herunterbricht. Dabei entstehen geistige Weiten, die ihre Skulpturen zu bewohnen und denen sie Körperlichkeit zu verleihen scheinen. Titel und Werk treten in ein Spannungsfeld, das die Deutung der Arbeit provokant und mehrdeutig macht. Die namensgebende Skulptur der Ausstellung, "Beautiful my desire" (2010) beispielsweise besteht aus zwei Gipskugeln, die hoch oben der Wand entwachsen - wulstig und schlaff, hoffnungsvoll und kraftlos zugleich.
Viele Arbeiten von Manuela Leinhoß ähneln gefertigten Produkten und erinnern doch zugleich an menschliche Organe. Sie erscheinen als singuläre Dinge; Objekte die für einen bestimmten Zweck erstellt wurden - für welchen jedoch bleibt ungewiss. Ihre hervorstechenden formalen Eigenschaften - die gedrungenen geometrischen Formen, die Low-Tech-Materialien und die handgearbeiteten, von Unebenheiten überzogenen Oberflächen - verweigern sich der Vollkommenheit industriell erzeugter Gegenstände. Gleichzeitig ziehen sie den Betrachter durch die Wucht ihres Strebens und ihre durch diesen Kontrast entstehende haptische Schönheit in den Bann. In den Arbeiten von Manuela Leinhoß überwiegen die Widersprüche. Sie fördern eine Verletzlichkeit zu Tage, die mit ihren anorganischen Strukturen kollidiert: unpräzise Materialien wie Pappmaché, Gips, Modellierton und Holz umschreiben scharf konturierte Formen, die gleichwohl oft an innere Organe oder körperliche Wölbungen erinnern; Innerlichkeiten werden sichtbar während Vorder- und Rückseite bei aller Grundverschiedenheit nicht auseinander zu halten sind; Anomalien unterliegen einer Ordnung, die diese nur noch seltsamer erscheinen lässt; und abstrakte, amorphe Formen regen zum Nachdenken an über Nuancen, die sich nicht beschreiben lassen.
Manuela Leinhoß, geboren 1973, lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Sprachwissenschaften und Philosophie an der Universität Köln. Zu ihren Einzelausstellungen gehören "V e r t i e f e n", Galerie Micky Schubert, Berlin (2010); "Roadmaps and Diaries", Liste 08, Basel (2008); "Stieß Fallend Lauter Welten An Hörte Auf Zu Wissen", Galerie Micky Schubert, Berlin (2007). Ausgewählte Gruppenausstellungen: "Berlin Box", Kunsthalle Andratx, Mallorca (2010); "drafts establishing future", Art Berlin Contemporary (2009); und "Rooms Look Back", Kunsthalle Basel (2008). Ihre Arbeit erscheint in folgenden Publikationen: "BUNKER BERLIN. BOROS COLLECTION" (2010); "A FORMAL FEELING COMES. Manuela Leinhoß", Galerie Micky Schubert (2008); "Rooms Look Back", Kunsthalle Basel (2008); und "The sky is thin as paper here", Galerie Daniel Buchholz, Cologne (2004/05).

