Aarau - 21 August 2010 - 7 November 2010

Yesterday Will Be Better - Mit der Erinnerung in die Zukunft

Pierre Bismuth: Coming Soon (Moving Light), 2008
Pierre Bismuth: Coming Soon (Moving Light), 2008

Oil on canvas, unique, 138 cm x 158 cm
Courtesy Bugada & Cargnel (Cosmic Galerie), Paris
Photo: Martin Argyroglo Callas Bey

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Lida Abdul (AF), Yael Bartana (IL), Muriel Baumgartner (CH), Manon Bellet (CH), Pierre Bismuth (F), George Brecht (USA), Hans Danuser (CH), Simon Dybbroe Møller (DK), Angus Fairhurst (UK), Mounir Fatmi (MA), Hans Peter Feldmann (D), Cyprien Gaillard (F), Douglas Gordon (UK), Stefan Gritsch (CH), Andres Lutz / Anders Guggisberg (CH), Mona Hatoum (UK), Alexander Heim (D), Pierre Huyghe (F), Susan Hiller (USA), huber.huber (CH), Jorge Macchi (ARG), Kris Martin (BE), Claudia und Julia Müller (CH), Oskar Muñoz (CO), Deimantas Narkevičius (LTU), Rivane Neuenschwander / Cao Guimarães (BR), Uriel Orlow (CH), Lorna Simpson (USA), Fiona Tan (NL), Adam Thompson (UK), Carey Young (UK)

Mit "Yesterday Will Be Better" präsentiert das Aargauer Kunsthaus im Rahmen seines diesjährigen Jubiläums eine grosse Gruppenausstellung mit zahlreichen nationalen und internationalen Kunstpositionen. Die Ausstellung greift ein bisher wenig beachtetes, äusserst spannendes Thema auf — die vielschichtige Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft. Zu sehen sind Arbeiten von insgesamt 35 Kunstschaffenden aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Zeichnung, Skulptur und Video. Auf unterschiedliche Weise gehen sie der Frage nach, warum wir erinnern oder welche Wünsche wir entwickeln.

Der Ausstellungstitel ist einer Arbeit des Fluxus-Künstlers George Brecht aus den 1970er Jahren entliehen: Yesterday Will Be Better verdreht die alte Binsenweisheit 'früher war alles besser' zum Paradox 'gestern wird besser sein'. Ausgangspunkt für die Ausstellung ist ein Widerspruch als auch die Annahme, dass sich Vergangenheit und Zukunft bedingen. Das Wortspiel führt von den Zeitdimensionen Vergangenheit und Zukunft direkt zur Auseinandersetzung mit der Gegenwart: Gestern, Heute und Morgen definieren die Wirklichkeit stets durch Wechselwirkung, sodass die Sicht auf Dinge, Vorgänge und Personen dem beständigen Wandel und der fortschreitenden Entwicklung unterworfen sind. Da zukünftiges Handeln von Erfahrungen in der Vergangenheit bestimmt wird, stellt sich die Frage, inwiefern sich Erinnerungen im Laufe der Zeit verändern und das Gedächtnis ein flexibles Merkinstrument ist.

Das Brechtsche Wortspiel "Yesterday Will Be Better" steht mit seiner unmöglichen Prognose auch stellvertretend für das heterogene Erlebnis vergangener Ereignisse. Es fordert dazu auf, die eigene Realität als eine Möglichkeit aus einer Vielzahl von Perspektiven zu begreifen und enthält das Angebot, Ereignisse nachträglich zu überdenken sowie die Geschichte zukünftig mit mehr Sinn zu versehen, sie ‹besser› und visionärer zu gestalten.

Cyprien Gaillard: Belief in the Age of Disbelief (Les Deux Chemins au Ruisseau / Etape VIII), 2005
Cyprien Gaillard: Belief in the Age of Disbelief (Les Deux Chemins au Ruisseau / Etape VIII), 2005

Etching, 17 x 25 cm
Courtesy Cyprien Gaillard and Bugada & Cargnel (Cosmic Galerie), Paris

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Die Wiedergabe von Realität durch Erinnerungen wird in der Ausstellung anhand diverser künstlerischer Strategien gespiegelt. Formen der Nacherzählung, der Rekonstruktion oder der Re-Lektüre spielen eine grosse Rolle, wenn es darum geht, den Bogen zwischen Vergangenheit und Zukunft zu spannen. Zugleich stehen Relikte aus zurückliegenden Zeiträumen sowie materielle oder gedankliche Erinnerungsbruchstücke dem Begehren, der Erwartung oder möglichen Perspektiven gegenüber. Die Künstlerin Fiona Tan hat für die Ausstellung ihre Fotoinstallation Vox Populi Switzerland geschaffen, eine Assemblage von Bildern aus Schweizer Familienalben. Die privaten Fotografien repräsentieren sowohl die eigene Geschichte als auch die familiären und freundschaftlichen Beziehungen, die uns zu dem machen, was wir heute sind, und die zukünftige Generationen prägen werden. Der britische Künstler Douglas Gordon zeigt eine monumentale Wandarbeit. Seine List of Names besteht aus der namentlichen Auflistung aller Verwandten, Freunde und Bekannten, deren sich der Künstler zur Zeit erinnern kann. Cyprien Gaillard präsentiert in Aarau bearbeitete Kupferstiche auf denen er in Landschaftsdarstellungen aus dem 17. Jahrhundert modernistische Gebäude aus dem 20. Jahrhundert integriert und so eine romantische Naturverbunden- heit mit einer ästhetischen und sozialen Utopie überlagert.

"Yesterday Will Be Better" ist als offenes Feld für eine Auseinandersetzung angelegt und schafft neue Zugänge zur bisher kaum bearbeiteten Schnittstelle zwischen Erinnerung und Zukunft. Die Schau vereint rund 50 Werke von 35 Künstler/innen unterschiedlicher Generationen und Herkunft, deren kulturelle Identitäten sich in den Exponaten spiegeln. Zu sehen sind Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Zeichnung, Skulptur und Video, die grösstenteils in den letzten zehn Jahren entstanden sind.

Mit der Ausstellung ist das Anliegen verbunden, verschiedene, auch gegensätzliche Blickwinkel zu eröffnen. Gerade deswegen wurden Künstler/innen aus unterschiedlichen Generationen eingeladen Positionen zu zeigen, die aus verschiedenen kulturellen und geographischen Hintergründen erwachsen sind. Das Ziel der Ausstellung ist, das spannende Thema in seiner Tiefe auszuloten: Die ausgestellten Werke können als eine Art 'Sondierbohrungen' betrachtet werden. Wichtig ist dabei die reflexive Partizipation, die Kunstschaffende anstossen.

Kuratorin: Madeleine Schuppli, Direktorin
Kuratorische Assistenz: Marianne Wagner, wissenschaftliche Mitarbeiterin

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog. Mit Essays von Alfred M. Fischer, Madeleine Schuppli, Marianne Wagner und Harald Welzer und Beiträgen zu allen ausgestellten Positionen von Sven Beckstette, Alexandra Blättler, Holger Broeker, Alfred M. Fischer, Dominik Imhof, Claudia Jolles, Stephan Kunz, Felicity Lunn, Daniel Morgenthaler, Philippe Pirotte, Hans Rudolf Reust, Genoveva Rueckert, Madeleine Schuppli, Inka Schube, Wendy Shaw, Thomas Seelig, Raimar Stange, Marianne Wagner, Rein Wolfs. Hrsg. von Madeleine Schuppli, Aargauer Kunsthaus, Aarau. D/E, ca. 208 Seiten.

Das Aargauer Kunsthaus dankt dem Swisslos Fonds des Kanton Aargau, der Stadt Aarau, der Artephila Stiftung, der Ernst Göhner Stiftung, der Holcim Schweiz AG, der Neuen Aargauer Bank und all denen, die namentlich nicht genannt werden möchten für die freundliche Unterstützung.

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Aargauer Kunsthaus

Aargauerplatz
5001 Aarau
Phone: 
+41 62 835 23 34
Exhibition
21 August 2010 - 7 November 2010
Online since 18 August 2010
Opening Hours: 
Tues-Sun 10 am - 5 pm, Thur 10 am - 8 pm