Zurich - 20 May 2008
David Lamelas - Ein Konzeptkünstler als Geschichtenerzähler
The Desert People (USA 1974, 48 Min.)
The Invention of Dr. Morel (D 2000, 21 Min.)
Filmprogramm und Diskussion mit David Lamelas.
Der Argentinier David Lamelas gehört seit den sechziger Jahren zu den weltweit wichtigsten Vertretern der Konzeptkunst. Seine Installationen setzen sich oft kritisch mit den Medien auseinander, oder aber er beschäftigt sich mit dem Raum, indem er baulich oder mit Licht interveniert.
Seit seiner Teilnahme als offizieller Vertreter Argentiniens an der Kunstbiennale von Venedig im Jahre 1968 ist David Lamelas unter anderem in London, Los Angeles und Buenos Aires wohnhaft. Zu Beginn seiner Karriere setzte er Fernsehgeräte als Lichtquellen für seine Installationen ein. Ihr Licht sah er nicht als neutral an: Selbst im "weissen Rauschen" eines Gerätes ohne Empfang schwingt noch das Potenzial des Fernsehens mit, den Menschen durch gezielte Information zu manipulieren. Dass sich Lamelas Ende der 1960er Jahre für den Film zu interessieren begann, war nach Arbeiten wie diesen keine Überraschung: Nicht nur liess sich mit dem Licht des Projektors Raum gestalten, mit dem "Strukturellen Film" hatte sich wenige Jahre früher auch eine künstlerische Strömung gebildet, die, wie Lamelas, das Medium kritisch hinterfragte. Strukturelle Experimente und das Interesse für den Raum als Funktion der Zeit prägen Lamelas' Werk bis heute. Extrem lange Einstellungen etwa gehören zum wiederkehrenden Repertoire seiner Filme. Dazu kamen früh schon Versuche mit alternativen Formen des Geschichtenerzählens.
Auf den narrativen Aspekt in Lamelas' Arbeiten konzentriert sich unser erstes Programm. "The Desert People" ist der bemerkenswerte, frühe Versuch eines bildenden Künstlers, die Formen des klassischen Genrekinos zu kopieren, gleichzeitig aber seine Konventionen punktuell zu brechen: In der Kombination einer dokumentarischen und einer fiktionalen Erzählung entwirft er ein Roadmovie zu einem neu entdeckten Indianerstamm, das nicht nur zwischen Realität und Fiktion pendelt, sondern auch die dezidierte Auseinandersetzung des bildenden Künstlers mit den Genres des Kinos erkennen lässt. Diesem Film aus dem Jahr 1974 steht der über ein Vierteljahrhundert später gedrehte "The Invention of Dr. Morel" gegenüber. Die zentralen Themen von Zeit und Raum sowie das Spiel mit der Narration finden sich auch in diesem Kurzfilm wieder, doch formal hat sich Lamelas' Arbeit stark verändert: Die Lust am narrativen Experiment scheint einem Interesse an der Arbeit innerhalb der Regeln des Genrekinos gewichen.
Fred Truniger
Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit von Reservoirfilm und INTERCUT Das Forum für Video Kunst Film der Bildenden Kunst und des Instituts für Gegenwartskünste, ZHdK.
im
Filmpodium Zürich
Nüschelerstrasse 11
8001 Zürich

