Berlin - 16 May 2008 - 14 June 2008
Zu Gast bei Verlierern
Laurence Bonvin, com&com, Tom Fellner, Johannes Kubin, Marianne Lang, Birgit Pleschberger, Gerald Schicker
Eine österreichisch-schweizerische Begegnung
Das Substitut nimmt die Fussball-Europameisterschaft zum Anlass, Künstler/innen aus Österreich zu einer Begegnung mit Schweizer/innen einzuladen. Der Ausstellungstitel "Zu Gast bei Verlierern" ist eine Anspielung sowohl auf das Motto der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, als auch auf die Rolle der Schweiz und Österreichs gegenüber Deutschland und nicht zuletzt auf die nicht gerade herausragenden sportlichen Leistungen beider Länder...
Laurence Bonvin rückt oft die Peripherie von Grossstädten ins Blickfeld. Sie ringt dem meistens trostlosen Niemandsland an Stadrändern eine irritierend schöne, fast poetische Seite ab. Das grossformatige Bild "Marzahn" ist stark geometrisch strukturiert und nimmt so die Grenze visuell auf. Ehemalige kulturelle Grenzen offenbart die Serie Freizeit. Bonvin fotografierte eine Reihe von Denkmälern im Ostteil Berlins, die mittlerweile eher die Vergänglichkeit der historischer Ereignisse zeigen, an die sie erinnern sollten.
Das Künstlerduo Com&Com beherrscht die Klaviatur der Medien. Ihre Arbeiten bewegen sich am Rande der Wahrheit und befragen Glaubwürdigkeit und Mechanismen einer mediatisierten Gesellschaft. "Com&Com's erster Film 'C-Files: Tell Saga', ein perfekt inszenierter Trailer zu einem nicht existierenden Spielfilm, wurde 2001 von Harald Szeemann an die Biennale Venedig eingeladen und ihr Video-Clip 'Side by Side' mit Dieter Meier (Yello) landete in den Top 10 der Schweizer Charts." Dieser Clip, sowie "I love Switzerland" werden im Substitut zu sehen sein. Letzterer ist "eine unverblümte, pathetische und ironische Liebeserklärung an die Schweiz als Land im Herzen von Europa. Hauptdarsteller Toni verkörpert ziemlich alle Klischeevorstellungen, die wir von diesem Land aus Käse, Schokolade und Banken haben. Mit Kühen, Ovomaltine und viel Geld verteidigt Toni die Neutralität, Tradition und Freiheit seiner Schweiz..." (Zitate von der Homepage der Künstler)
Einen Hang zum Morbiden scheint Tom Fellner zu haben. Seit einigen Jahren zeichnet er Totenschädel und Skelette. Manche fügt er in Zeichnungen aus seiner Schulzeit ein und aktualisiert diese dadurch humorvoll. Einige "Skull Drawings" wiederum erinnern an Goya, andere zelebrieren den Schädel als das Vanitas-Sympol par excellence. Fellners fast obsessive Vorliebe für dieses Thema offenbart eine unendliche Bandbreite an Variationen des Motivs. Die Kabinett-ähnliche Präsentation im Substitut ist eine kleine Hommage an den Totentanz.
"Das Arbeiten mit räumlichen Strukturen beziehungsweise das Kreieren von vermeintlich 'unlogischen', niemals klar (nur) einem schön zentralperspektivischen Gitternetz Folge leistenden, jederzeit wieder auseinanderstrebenden Räumen prägt die zeichnerische Arbeit Marianne Langs. (...) Die in diese Übereinanderlappungen von Mustern, Schraffierungen und Ornamenten hineingesetzten Figuren passen sich in ihre Umgebung nie so richtig ein, zum einen da diese seltsamen Räume ihnen nie einen festen Platz zuweisen, zum anderen da sie selbst, sowohl was ihre Proportionen als auch ihr Verhalten betrifft, irgendwie 'daneben' stehen" sagte Stefanie Grünangerl an einer Eröffnungsrede zu den Zeichnungen von Marianne Lang.
Johannes Kubin erschafft Frankensteinsche Figuren. Er nimmt Kinderspielzeug auseinander - vorwiegend Zootiere - und setzt diese neu zusammen. Der Künstler huldigt einerseits dem kindlichen Spieltrieb, insbesondere dem Drang, die Spielsachen zu zerstückeln und umzunutzen. An die Wand projiziert entpuppen sich die Figürchen aber zu wahrhaften Monstern - zum alptraumhaften Schattenspiel in einem nächtlichen Zimmer.
Gerald Schicker hingegen zerlegt in jungenhafter Manier technische Geräte und fügt diese zu Skulpturen zusammen. Manche erinnern an Bausätze für Modelle, andere an Science Fiction-Filme oder an Mad Max - an eine Zeit nach der Zeit in der aus alter Elektronik die abenteuerlichsten Maschinen gebaut werden.
Im Video von Birgit Pleschberger ergeht es Hunden dreckig: "Aus schwarzem, glänzendem Plastilin geformte Hunde wirken zuerst wie die Protagonisten eines Animationsfilms. (...) Fast erwartet man, dass sie sich zu bewegen beginnen, um uns eine mehr oder weniger lustige Geschichte zu erzählen. Und tatsächlich: ihre Körper blähen sich auf, so dass die Haut schliesslich aufbricht, Luftballone aus ihrem Inneren herauswachsen, um ebenso zu zerplatzen, wie bereits der Hund zuvor, oder in sich zusammenzusinken und damit die Bewegung der eingefallenen Körperhülle nachvollziehen. Erst kurz vor ihrer Explosion beginnen die Hunde der explodog-Serie lebendig zu werden: Atembewegungen werden durch den fauchenden, manchmal winselnden Ton des Blasebalgs verstärkt, der anschwellende Kopf und Bauch setzen auch den restlichen Körper in Bewegung, manchmal erst so richtig, nachdem ein Teil des Körpers bereits aufgeplatzt, der Ballon explodiert ist" schreibt die Künstlerin.

