Winterthur - 2 July 2010 - 22 August 2010
Raphael Zürcher - Das Archiv des Rapun Zukerdos
Die Reise zum Mittelpunkt der Welt, Pt. I
War am Ende alles nur reiner Zufall, oder ist es Ihm tatsächlich geglückt, einen Zugang zum Mittelpunkt der Welt zu öffnen? Ohne nennenswerten Erfolg, versucht Rapun Zukerdos seit Jahren die verborgenen Zeichen zu deuten und mit ihnen die verlorene Sprache der "Alten" zu erlernen. Doch zu abstrakt schienen die Bilder, zu verworren ihre Zusammenhänge und zu überwältigend ihre Zahl. Versunken in sein unmögliches Unterfangen verlor Rapun über die Jahre mehr und mehr den Sinn für das, was die "Anderen" als Realität bezeichneten und drohte darob beinahe ganz aus dem Gedächtnis seiner Zeit zu verschwinden. Was als hoffnungslose Sackgasse anmutete und im Wahnsinn zu enden drohte, wurde für Rapun zu eben jener Schwelle, durch welche ihm der Blick in eine andere Welt geöffnet wurde.
Der Kunstvermittler Raphael Zürcher (*1984) gewährt im Kunstraum Winterthur erstmals Einblick in Teile des "Archivs des Rapun Zukerdos". Zahlreiche Tuschzeichnungen, Notizzettel und grossformatige Gemälde dokumentieren Zukerdos' wahnwitzigen Versuch, sich einen Zugang zum sagenumwobenen Mittelpunkt der Welt zu verschaffen. Für die Fertigung seiner Bilder verlässt sich der exzentrische Archäologe und Geisteswissenschaftler keineswegs auf das, was er mit blossem Auge erblickt, sondern nutzt eine eigens entwickelte Technik, die ihn hinter die Fassade des Gewöhnlichen in eine bisher verborgene Welt blicken lässt.
Die Ausstellung im Kunstraum Winterthur knüpft an den vom Schweizer Kurator Harald Szeemann geprägten Begriff der individuellen Mythologie und erweitert dessen These um die Frage nach einem individualisierbaren Realitätsbegriff im Zeitalter der freien Nutzung und Gestaltung von (digitalen) Informationsmedien. Ist die aufgeklärte Gesellschaft nach dem Welbild der modernen Wissenschaft bereits ein Auslaufmodell, welches unter einem künstlich produzierten, im Millisekunden Takt wachsenden Berg aus losen (Halb-) Wahrheiten begraben gar selbst zu einem Mythos geworden ist.
Die Ausstellung "Das Archiv des Rapun Zukerdos" nähert sich dieser Fragestellung mit einem kulturgeschichtlich sehr alten, dank seiner Unmittelbarkeit jedoch stets aktuellen Medium; Der einfachen (Tusch) Zeichnung.

