Zurich - 1-31 July 2010
Andreas Marti - Die Übersicht ist Teil des Ganzen
"Ich werde nie mehr so rein und so dumm sein wie weisses Papier" (Element of Crime)
Der Zürcher Künstler Andreas Marti (geb. 1967) sucht etwas, von dem er weiss, dass es sich nicht finden lässt. Christinger De Mayo ist stolz/freut sich, diesen Prozess des Suchens in einer Einzelausstellung vorstellen zu können. Um den kurzen Sommer gebührend zu würdigen, ändern wir für einen Monat unsere Öffnungszeiten und funktionieren als "Nachtgalerie", halten unsere Räumlichkeiten von 16 bis 22 Uhr offen und ermöglichen unseren Besuchern, sich dem Werk von Andreas Marti diskursiv mit einem Bier oder Eistee in der Hand zu nähern...
In seiner "Erweiterten Enzyklopädie" stellt sich Andreas Marti dem Anspruch, das Wissen in seiner Gesamtheit zeichnerisch darzustellen. Seine Übersicht ist dabei bewusst subjektiv, der Bilderkosmos wächst jedoch nach einer strengen Versuchsanordnung und schafft so ein Gesichtsfeld, das zwar Teil des Ganzen ist, also durchaus einen Teil unserer gemeinsamen Realität abbildet, und dennoch auch in jenen Parallelwelten beheimatet ist, die sich immer knapp ausserhalb unseres Sehfeldes/unserer Wahrnehmung befinden, so dass wir sie eher erahnen als erfassen.
Im vorderen Teil der Galerie zeigen wir eine grossformatige Skulptur, ein "Fundstück", das auf den ersten Blick aussieht, als hätte der liebe Gott ein Blatt seines monumentalen Skizzenblocks zusammengeknüllt und achtlos weggeworfen, als wäre dieser Papierbrocken dann als Komet zerschellt und würde nun in einem metaphysischen Labor auf seine Aussagekraft durchleuchtet. Trotz seiner skulpturalen Erscheinung kann man das Werk im Zusammenhang mit Andreas Martis Zeichnungen und Wandarbeiten im zweiten Teil der Ausstellung auch als Skizze im Raum begreifen, als Erforschung des Dreidimensionalen mit den Mitteln des Bildes. Für Olafur Eliasson und Einstein lassen sich Zeit und Raum nicht trennen. Für das Kunstwerk bedeutet dies nicht nur eine räumliche Verortung in seiner "geografischen" Umgebung, sondern auch seine Verbindung mit der Gegenwart. Das "Fundstück" bildet somit immer nur einen bestimmten Moment ab: Man könnte es auch die Dehnung des Augenblicks in den Raum nennen.
Andreas Marti:
Geboren 1967. 2004–2008 Zürcher Hochschule der Künste: Studium Bildende Kunst. Verschiedene Einzel- und Gruppenausstellungen u.a. Kunstmuseum Bern, Aargauer Kunsthaus, Kunsthaus Langenthal, Museum Bellerive, Dienstgebäude Zürich, Kunstverein Schaffhausen und Landpartie Zürich.

