Rapperswil — 11 May 2008

Susan Philipsz und Monika Sosnowska - Sternennebel

Susan Philipsz: Glass Track, 2005
Susan Philipsz: Glass Track, 2005

Soundinstallation
Grösse variabel
Courtesy Isabella Bortolozzi Galerie, Berlin / Tanya Bonakdar Gallery, New York

Auch die vierte Ausstellung des Programmjahres 2007/2008 trägt den Titel eines Blattes aus dem utopisch-visionären Zeichenwerk "Alpine Architektur", das der deutsche Architekt Bruno Taut kurz nach dem ersten Weltkrieg publizierte. In "Sternennebel" gelingt es den beiden Künstlerinnen Susan Philipsz und Monika Sosnowska mit einer subtilen Sound-Installation und einer überraschenden architektonischen Intervention, die Betrachter aus Raum und Zeit heraus zu reissen und den gewohnten Ausstellungsraum neu erfahren zu lassen.

Als Nebel wurden in der Astronomie ursprünglich alle leuchtenden flächenhaften Objekte an der Himmelskugel bezeichnet: Sternennebel, Galaxien oder Sternenhaufen erscheinen bei geringer Auflösung im Teleskop oder mit blossem Auge als Nebelflecken, als diffuse Formen am Himmel. Auch in Bruno Tauts gleichnamiger Zeichnung schweben leichte spiral- oder sternförmige Gebilde, Kreise und Ovale in der Leere. "Systeme von Systemen" schreibt der deutsche Architekt über das Blatt, das Teil der Zeichenserie "Alpine Architektur" ist.

In der Auseinandersetzung mit Raum, mit Systemen, aber auch mit (diffusen) Volumen, kreieren die beiden Künstlerinnen Susan Philipsz und Monika Sosnowska in der Alten Fabrik ein feines Zusammenspiel zwischen Klang und Architektur.

Die schottische Künstlerin Susan Philipsz arbeitet hauptsächlich mit Tönen und Klängen, mit ihrer Stimme und Melodien, die sie auf die Räume bezieht. In Rapperswil zeigt sie ihre Arbeit "The Glass Track" (2005). Den halbdunklen, leeren Ausstellungsraum erfüllen jene Töne, die entstehen, wenn man mit einem feuchten Finger über den Glasrand fährt. Leere Weingläser und Glasscherben deuten den Ursprung dieser Töne an, erzählen von ausgeklungenen Festen und schaffen eine Verbindung zu Bruno Tauts Visionen der Glasarchitektur.

Monika Sosnowska: Ohne Titel (Labyrinth), 2003
Monika Sosnowska: Ohne Titel (Labyrinth), 2003

Tapete, Teppich, Rigips, Lampen
Grösse variabel
Installationsansicht: Galerie Kurimanzutto, Mexico City 2003
Courtesy Arndt & Partner, Berlin / Zürich

Am Ende des von Philipsz geschaffenen "Klangraumes" führt Monika Sosnowska die Besucher in einen hinter der Ausstellungswand beinahe verborgenen Korridor, dessen Ende weder sichtbar, noch tatsächlich erreichbar ist. Wie oft in ihren Arbeiten, kreiert die gebürtige Polin auch hier eine Architektur, die zwar bekannt ist und viele Assoziationen wachruft, unsere Erwartungen aber ständig in Frage stellt. Indem sie Proportionen manipuliert oder optische Illusionen schafft, zeigt sich der Raum oft nicht so, wie man ihn auf Anhieb zu verstehen glaubte. Beim Begehen von Sosnowskas Räumen wird man auf die eigene Befindlichkeit zurückgeworfen.

Die beiden Künstlerinnen schaffen in der Alten Fabrik zwei Räume, die von den Besuchern auf unterschiedliche Weise direkt wahrgenommen und interpretiert werden können. Das Sphärische und gleichzeitig das konkret Architektonische, das sich auch in Tauts Zeichnungen wiederspiegelt, findet man in den Arbeiten der beiden Künstlerinnen wieder.

Susan Philipsz ist 1965 in Glasgow (GB) geboren und lebt heute in Berlin. Sie war im letzten Jahr an den "Skulpturen Projekte Münster" beteiligt. Ab dem 3. Mai 2008 sind ihre Arbeiten in der 55. Ausgabe von Carnegie International "Life on Mars" im Carnegie Museum, Pittsburgh zu sehen.

Monika Sosnowska ist 1972 in Ryki (PL) geboren und lebt in Warschau. 2007 gestaltete sie den Polnischen Pavillon an der Venedig Biennale und war u.a. im Kunstmuseum Vaduz mit der Soloshow "Loop" zu sehen. Noch bis zum 21. September 2008 sind ihre Arbeiten in einer umfassenden Ausstellung im Schaulager in Basel präsentiert.

Gebert Stiftung für Kultur

Klaus Gebert-Strasse 5
8640 Rapperswil
Phone: 
+41 55 210 51 54
Exhibition
17 May 2008 - 6 July 2008
Opening Hours: 
Mi-Fr 17 - 20 Uhr, Sa-So 14 - 17 Uhr