Baden - 4 March 2010 - 11 April 2010
Fabian Marti - ELM MR CL MYMULW
Mit kryptischem Titel und rätselhafter Abbildung lädt der Schweizer Künstler Fabian Marti zu seiner Einzelausstellung im Trudelhaus in Baden. Kernstück ist seine neue Fotoserie von Masken in schwarz/weiss aus dem Jahre 2009. Bekannt für seine charakteristisch vielschichtige, aus der tiefen Schwärze hervortretenden Fotografie, ist diese Serie geprägt von magischer Ausstrahlung. Gewiss unterstreicht der Kultcharakter der Masken und die archetypische Form der Linien wie in "Double Soleil 1950" diese Wirkung. Die Masken entsprechen durchaus einer afrikanischen Typologie, existieren tun sie jedoch als virtuelle Kreationen in einer 3-D-Webdatenbank, von wo Fabian Marti die Masken heruntergeladen und als 3-D-Druck für uns manifestiert. Mit den Masken verweist er auf die Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts und damit ebenso auf die tradierte Kunstgeschichte. Er überlagert und unterlegt sie mit Zitaten von späten Bildern von Francis Picabia aus den 50er Jahren und komponiert damit faszinierende, imaginierte Universen. Die atmosphärische Tiefe der Bilder ist von Fabian Martis erweitertem Fotografiebegriff bestimmt, den er um Scan-Verfahren, analoger und Software-basierter Interventionen bereichert.
Die Verwischung und Kombination von zwei- und dreidimensionalen Realitäten ist grundsätzlich seiner Arbeitsweise eigen und tritt immer wieder in die Art und Weise der Präsentation seiner Werke über. So auch in der für das Trudelhaus entworfenen Ausstellung. Ausgehend von der betonten Vertikalität des 3- geschossigen Trudelhauses, konzipierte Fabian Marti eine voluminöse, konkret-kristalline Struktur, die von den Stufen im Untergeschoss aus durch das gesamte Haus dringt und ein eigenes Paralleluniversum bildet. Die Konfrontation mit Sedimentablagerungen aus unserer kulturellen Bildgeschichte, die der Betrachter hier in den Arbeiten vorfindet, wird mit der Motivwahl der Maske - und damit mit der Verwandtschaft zu Portraits - im Identifikationsgrad nicht nur verstärkt, sondern lässt uns einmal mehr an Fabian Martis Verständnis teilhaben, dass unser gesamtes Wissen in der Menschheit eingeschrieben ist.
Fabian Marti (*1979 in Fribourg, lebt in Zürich). Seine Arbeiten waren u.a zu sehen in: "Ruins, Regrets and Visible Effects", Istituto Svizzero, Rom (2009); "The eternal flame", Kunsthaus Baselland, Muttenz (2008); "IUS PRIMAE NOCTIS", Coalmine, Winterthur (2007). Fabian Marti wurde der Prix Manor Zürich Kunstpreis für 2011 zugesprochen.

