Luzern - 28 February 2010 - 3 April 2010
Trashmigration
Neueröffnung der Alpineum Produzentengalerie an der Hirschmattstrasse 30a mit Kunst aus Bremen: In den neuen Galerieräumlichkeiten an der Hirschmattstrasse 30a, Luzern präsentieren wir eine Ausstellung mit vier KünstlerInnen der Produzentengalerie GaDeWe (Galerie des Westens): Erika Plamann (Plastik), André Sassenroth (Installation), Thomas Behling (Bildobjekte) und Heiner Preißing (Malerei).
Beim Thema Migration die Deutschen als eine Bevölkerungsgruppe zu bezeichnen, die sich einer besonderen Beliebtheit von Seiten der Schweizer erfreut wäre übertrieben. Die vier KünstlerInnen aus Bremen spielen in ihrer Gruppenausstellung auf einen empfindlichen Punkt im Gedankenkorsett vieler Schweizer an und haben das Thema ihrer Gruppenausstellung auf "Trash" bezogen in eine ästhetische Ebene verschoben und sich an ihm fest gebissen.
Das Werk von Erika Plamann, André Sassenroth, Heiner Preißing und Thomas Behling verbindet die Auffassung, dass uns eine überwältigende Flut von bildlichen Eindrücken umgibt, die bewältigt werden muss. So, dass es den vier Künstlern sinnvoller erscheint, um wieder Herr der "Bilder" zu werden, mit den Fundstücken aus Weggeworfenem, Aussortiertem und Vergessenen neue Zusammenhänge und Erkenntnisse zu schöpfen, als diese in einer rein ästhetischen Progression zu verlängern.
Erika Plamann benutzt Kitschfiguren für Abgüsse in Wachs, die sie dann mit Wachs, Ton und Gips weiterbearbeitet. Die neuen Spuren verleihen den Abgüssen eine Individualität und lassen sie oft älter aussehen als das Original. Aus Massenprodukten werden Unikate, die in diesem Verfahren eine neue Würde erhalten.
André Sassenroth arbeitet überwiegend situativ in Gruppenkontexten. Die dabei wirksame Dynamik sozialer Momente versucht er in architektonischen Versatzstücken in seine meist nur temporären Installationen zu integrieren. Die Verortung gemeinsamer Interessen, die Definition von Orten, sowie die jeweilige Qualität eines Ortes oder Raumes werden von ihm sensibel durchleuchtet und mit Hilfe von einfachen Verbrauchsmaterialien umgeformt und in den gesellschaftlichen Kontext zurückgespiegelt.
Thomas Behling greift in den großen Bilderfundus eines christlich geprägten Kulturkreises. Weniger wichtig ist ihm dabei, "Eigenes" zu schöpfen. Behling setzt mit seinen Bearbeitungen vielmehr frei, was sich im Kollektiv und Individuum abgelagert hat, und regt zur Re-Vision und damit Selbsterkundung an. Dass hier und da nicht gleich entschieden werden kann, was in den Himmelsschauen und Heiligenporträts "gefunden" und was "gemacht" ist, dürfte dem Künstler ganz recht sein. Damit wird augenfällig, dass die Wahrhaftigkeit der Bilder auf dünnem Eis fußt, nämlich auf dem, was wir für möglich und wert halten.
Die Arbeiten von Heiner Preißing sind in doppelter Hinsicht vielschichtig, in der inhaltlichen Aussage ebenso wie formal. Schon handwerklich-technisch gesehen, verschmelzen bei diesem Künstler Malerei, Zeichnung auf der Grundlage von bildlichen Eindrücken und Fundstücken aus der Tages- und Monatspresse in ein neues, oft wild erscheinendes Refugium von Farbe und Inhalt. Die Gleichzeitigkeit verschiedener Darstellungsweisen verleiht seinen Bildern einen ambivalenten Charakter, der ganz unterschiedliche Realitätsebenen vereinigt. Darüber hinaus bedient sich Preißing sowohl der gegenständlichen wie einer abstrakt verfremdenden Ausdruckssprache. Bei aller kritischen Auseinandersetzung ist Preißing kein Agitpropkünstler alten Schlages. Wenn auch seine Wurzeln sicher hier zu finden sind, formuliert er keine Dogmen, wohl aber eine Haltung - die des aufrechten Ganges.
Zur Ausstellung erscheinen vier Kataloge, einer pro KünstlerIn.


