Emmenbrücke LU - 30 January 2010 - 6 March 2010

Samira Alikhanzadeh - With the passage of time

© Samira Alikhanzadeh
© Samira Alikhanzadeh
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Die iranische Künstlerin Samira Alikhanzadeh hat sich immer schon für das Licht und für Fenster interessiert. In ihren aktuellen Arbeiten ist diese Faszination in Form von Spiegelfragmenten präsent: Sie reflektieren die Lichtstrahlen und schaffen Fenster im Bild. Damit öffnen die Spiegel ihre Kunstwerke gegenüber Umgebung und Betrachtern: Sie treten in Beziehung zur Aussenwelt über deren Verdoppelung innerhalb der Bildwelt.

Als symbolischer Gegenstand fungierte der Spiegel immer schon als Passage zwischen den Sphären, zwischen Wirklichkeit und Traum-, Märchen- oder Gegenwelt. Die Fähigkeit des Spiegels zur Wiedergabe wurde ebenso für Klarheit gelobt wie für Verzerrung gescholten. Er steht zwischen Erkenntnis und Täuschung, die Frage nach der tatsächlichen Realität ist seinem Wesen eingeschrieben. Dieses ambivalente Spektrum des Spiegels weiss die Samira Alikhanzadeh für ihre Kunst zu nutzen.

Die Gesichter in ihren Werken kennt die Künstlerin nicht einmal selbst, sie hat die Fotografien zufällig in einer alten Schachtel gefunden. Im Rahmen der künstlerischen Bearbeitung lösen sich diese anonymen Portraits von ihrer ursprünglichen Funktion als Abbild realer Menschen und werden damit zu einer Art Schablone.

© Samira Alikhanzadeh
© Samira Alikhanzadeh
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Die historische Distanz des Betrachters trägt ihren Teil zu dieser Wirkung bei: Die toupierten Frisuren, die ehemals modischen Ohrringen und die wohl künstlichen Schönheitsflecken, ganz allgemein die Inszenierungsformen vergangener Zeiten sorgen dafür, dass wir die Gesichter nicht als unserer aktuellen Lebenswelt angehörig, als reale Personen empfinden.

Verstärkt wird der Entfremdungseffekt durch eine äusserst bunte Farbgebung mit leuchtend roten Haaren, aus dem blassen Gesicht hervorstechenden Kirschlippen und Schmuckelementen in Sonnenblumengelb. Die Künstlerin setzt hier auf eine beinahe satirische, überzeichnete Wirkung. Man fühlt sich an Andy Warhols Portraits von Marilyn Monroe erinnert, deren Gesichtszüge er in sämtlichen Farben durchdeklinierte. Man meint, vielmehr Typen denn Individuen anzuschauen.

In Clustern seriell angeordnet ergeben sich ganze Muster aus den Gesichtern, die wie Mosaiksteine zu einem grösseren Ganzen gehören. Die Wiederholung, Spiegelung und Umkehrung von Bildern ins Negative sind dabei weitere Schritte der Abstrahierung, die Zensurbalken verdecken den letzten Rest an erkennbarer Individualität.

Dass die Künstlerin nun Spiegel an die Stelle schwarzer Balken setzt, hat für ihre Bilder verblüffende Auswirkungen. Die vermeintliche Leerstelle im Gesicht ist ebenso blanke Fläche wie Ort aller denkbar möglichen Ansichten. Das Werk reflektiert die Welt nicht im Rahmen künstlerischer Techniken, sondern integriert sie samt ihrer Wandelbarkeit direkt ins Bild.

In der eigenen Spiegelung begibt man sich in die Position der portraitierten Person und schaut einer neuen hybriden Identität aus Fiktion und Realität entgegen. Und verstrickt sich immer tiefer ins Bild.

Julia Häcki, Kunsthistorikerin, Zürich, Januar 2010

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AB Gallery

Arealstrasse 6
6020 Luzern-Emmenbrücke
Phone: 
+41 41 982 08 80
Exhibition
30 January 2010 - 6 March 2010
Online since 25 January 2010
Opening Hours: 
Thur/Fri 2 - 8 pm, Sat 11 am - 4 pm, and by appointment