Zurich - 16 January 2010 - 20 March 2010
Isabelle Krieg und Cat Tuong Nguyen - the unbearable lightness of being
Der Titel der zweiten Ausstellung von Christinger De Mayo bezieht sich weniger auf die Handlung des berühmten Buches von Milan Kundera, sondern vielmehr auf den Gemütszustand von Teresa, der weiblichen Hauptperson, während ihres Exils in der Schweiz. Gerade erst den Wirren und dem Schrecken des Prager Frühlings entronnen verzweifelt sie an der Nutz- und Bedeutungslosigkeit ihrer Existenz im Westen. Es ist eine stille Verzweiflung, ein Gefühl, das im diffusen Wissen entsteht, dass es irgendwie auch anders sein könnte.
Man kann die unerträgliche Leichtigkeit des Seins vielleicht als eines der Grundgefühle der Generation der unter 40-Jährigen der Schweiz während der Nuller-Jahre/zu Beginn des 21. Jahrhunderts beschreiben. Die Seismographen unserer diffusen Gemütszustände jedenfalls haben sich des Themas auf verschiedene Weise angenommen.
Die Künstler Cat Tuong Nguyen und Isabelle Krieg umkreisen diese Gefühlslagen in unterschiedlichen Prozessen und Herangehensweisen. Isabelle Kriegs (*1971) spinnenähnliche Würfel sind nicht gefallen, sondern schweben gleichsam in der Luft. Die Äste scheinen aus den Augen des Würfels zu wachsen, so wie Sprösslinge aus den Augen von Kartoffel schiessen. Das Glück ist nicht beeinflussbar, es hat ein Eigenleben und spielt nicht nach vorgegebenen Regeln. Hindus glauben, dass sich Glück millionenfach finden lässt, dass sich in jedem Sandkorn des Ganges ein ganzes Leben und auf jedem Blatt eine ganze Welt verbirgt. Isabelle Kriegs Weltkarten finden sich sowohl eingeschnitten in die Blätter einheimischer Bäume als auch als Spuren auf Currywurst-Papptellern.
Cat Tuong Nguyen (*1969) näht Diagramme und Textfragmente, die er Büchern über die Psychopathologie des westlichen Menschen entnommen hat, auf Textilfetzen. Er verweist damit auf die Sweatshops seiner ersten Heimat Vietnam, in denen Menschen unter härtesten Bedingungen um ihr tägliches Brot kämpfen. Verändert das Wissen, dass sich viele Bewohner in der südlichen Hemisphäre unsere Luxus-Probleme wünschen, das Leiden von psychisch Kranken? Wird es für sie erträglicher?
Für die Arbeit "Meine Kamera arbeitet und übernachtet in der Zentralbibliothek" hat Cat Tuong Nguyen kleine runde Filmkapseln zu Camerae obscurae umfunktioniert und für eine Nacht an ausgewählten Orten in der Zentralbibliothek Zürich versteckt. Den entwickelten Fotos wohnt, trotz klar sichtbarer Angabe von Datum und Standort, ein feiner Zauber inne. Die Frage, was die Bücher nächtens in der Bibliothek treiben, wenn sie sich unbeobachtet fühlen, ist ein uralter Topos der Literatur. Wenn sich der Betrachter nun in die Bilder vertieft, beschleicht ihn zumindest eine Ahnung dessen, was sich Benjamins Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und Kunderas Unerträgliche Leichtigkeit des Seins zu erzählen haben.
Isabelle Krieg
Geboren 1971, 1998 Abschluss an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern. Verschiedene Einzel- und Gruppenausstellungen, z.B. im Museo Cantonale d’Arte in Lugano, Kunsthaus Zürich, Kunstmuseum Bern oder im Kunstmuseum Solothurn. 2009 hat sie den Werkbeitrag des Kantons Zürich erhalten.
Cat Tuong Nguyen
Geboren 1969, verschieden Einzel- und Gruppenausstellungen, z.B. im Dienstgebäude Zürich, Binz39, Coalmine Winterthur, Helmhaus Zürich, Kunsthaus Dresden, Fotomuseum Winterthur oder im Migros Museum. 2010 hat er das Atelierstipendium Berlin von Landis & Gyr gewonnen.


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At the opening of the unbearable lightness of being. See