Zurich - 27 November 2009 - 19 December 2009
Rudolf Jaeggi Germano - Motore Marino
"Es wurde mir klar, wie sehr ich Seemann war - mit dem ganzen Herzen, mit der ganzen Seele, und ich möchte fast sagen, auch physisch einzig und allein ein Mann des Meeres und der Schiffe - die See war die einzige Welt, die zählte, und die Schiffe waren der Prüfstein für die Männlichkeit, das Temperament, den Mut und die Treue - und die Liebe." (aus "Die Schattenlinie" von Joseph Conrad)
1974 in den Bündner Bergen in Scuol geboren und im bernischen Ittigen aufgewachsen, wollte Rudolf Jaeggi Germano schon als Kind Kapitän werden und verschlang Unmengen von Büchern über Seeabenteuer. Erst als er viel später mit seiner italienischen Frau für eine längere Reise nach Süditalien aufbrach und zunächst in Neapel und 2004 auf der Insel Procida landete, war ihm klar, dass er seinem Traum sehr nah war. Die Sehnsuchtsbilder aus seiner Kindheit waren wieder aufgetaucht. "Es ist unglaublich, dass ein 300 m langer Stahlbau auf dem Wasser gleiten kann.”
Der gelernte Fotograf und Mitbegründer der Zeitschrift "soDA" greift häufiger zu Pinsel und Bleistift, da ihn die möglichst getreue Wiedergabe nicht mehr interessiert. Er sucht sogar noch aufwändigere Techniken. Für die Arbeit "Rotterdam oder Tanker und andere schöne Dinge", wählt er zum Beispiel die Hinterglasmalerei. Diese 38-teilige Arbeit versteht er als Metapher für eine Reise zu exotischen Häfen. Von dort würde er Trophäen - viele von Hergés "Tim und Struppi" inspiriert - mit nach Hause bringen, wie die Matrosen ihrer Geliebten: Pittoreske Vasen, exotische Blumen oder eine Nashornmaske aus Klebestreifen. "Feuerschiffe" ist die einzige fotografische Arbeit des Künstlers und zeigt eine Serie von schwimmenden Leuchtturmschiffen. Die Bilder im Postkartenformat sind mit Retouchierfarben so bearbeitet, dass sie sehr malerisch irgendwo in der Dämmerung im Meer aufglühen und ihrem Namen die Ehre erweisen.
Dem Thema Schiff bleibt Jaeggi treu. In der Serie "Motore Marino" zeichnet und malt er Frauenkörper auf bestehende Schiffsmotorenpläne. Auf den ersten Blick scheinen die Motoren wie Bauchmuskeln oder innere Organe dieser lasziven Schönheiten. Dabei unterwandert er subtil ein Klischee männlicher Sehnsüchte.
Text: Laurence Frey


Rudolf Jaeggi Germano at
Rudolf Jaeggi Germano at Galerie Burgerstocker. See