El Frauenfelder


18.2. - 15.7.2007
Dessine-moi un mouton! Imagination und Gegenwelten in zeitgenössischen Zeichnungen.
Kunstmuseum Thurgau
Kuratiert von Dorothee Messmer - mit Publikation
www.kunstmuseum.ch


Ausstellung vom 12. Januar - 3. März 2007










Ausstellungsansichten


© El Frauenfelder

Garten, 2005
Oel auf Leinwand, ca. 54 x 75 cm

© El Frauenfelder

Museum, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 102 x 126 cm

© El Frauenfelder

Schädel, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 61 x 71 cm

© El Frauenfelder

Zoo 2, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 93 x 103 cm


© El Frauenfelder

Bartgeier, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 105 x 87 cm

© El Frauenfelder

Zoo 5, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 148 x 114 cm

© El Frauenfelder

Küche, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 54 x 68 cm

© El Frauenfelder

Chilli's 1, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 104 x 130 cm

© El Frauenfelder

Apartment, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 105 x 130 cm

© El Frauenfelder

Trailer, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 98 x 119 cm

© El Frauenfelder

Hollywood, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 89 x 102 cm

© El Frauenfelder

Leere Gläser, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 94 x 77 cm

© El Frauenfelder

Trophy 3, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 93 x 111 cm

© El Frauenfelder

City Video, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 109 x 140 cm

© El Frauenfelder

Zoo 3, 2006
Oel auf Leinwand, ca. 87 x 112 cm


Text von Sascha Renner
© züritipp (Tages-Anzeiger); 25.01.2007; Seite 37


phantom amerika

Die figurative Malerei feiert eine stürmische Renaissance. In Zürich mit der jungen El Frauenfelder, die ein eigenwilliges Spiel mit Wildwest- und andern Mythen treibt.


Ihr bestgehüteter Schatz ist ein Bild, das nur ihr gehört. Es zeigt eine endlose Prärie, im Vordergrund einen windschiefen Lattenzaun - oder sind es Rippen, die aus dem Kadaver einer Kuh wie Sensen in den Himmel stechen? Das Bild beschwört den Mythos Amerika, wie er von Karl May bis Wim Wenders in heiliger Erhabenheit und schwülstigem Pathos stilisiert wurde. Die Zeichnung, ein Tattoo, bedeckt den gesamten Unterarm von El Frauenfelder. Blasstonig wie eine Luftspiegelung schimmert die Landschaft auf der weissen Haut.


Die glühende Sehnsucht nach der endlosen Weite der amerikanischen Landschaft bekam El Frauenfelder früh eingeimpft. Das Mädchen verschlang Indianerliteratur, träumte sich mit den edlen Wilden in den Westen, aber noch lieber mit den Bad Guys, Pistoleros und Höllenreitern. In ihrem Animationsfilm "Steak House" (2006) gehört ihnen die Hauptrolle: Standardfiguren des Western-Repertoires, unentwegt gebrochen mit realen Versatzstücken und fantastischen Einschüben, denen letztlich jede Eindeutigkeit abgeht. Ein vielschichtiges, bisweilen alptraumhaftes Kaleidoskop aus erinnerten und imaginierten Bildspuren.


Seit ihrem 15. Lebensjahr bereist Frauenfelder immer wieder South Dakota, den amerikanischen Bundesstaat mit dem zweithöchsten Indianeranteil. Dort beobachtet, recherchiert, fotografiert sie - und lässt sich zu den figürlichen Ölbildern inspirieren, die sie nun erstmals in einer Einzelausstellung präsentiert: ein Blick in einen Trailer, in ein Landhaus, ein Schaufenster, oft ohne Menschen, aber keinesfalls menschenleer. Mit vibrierendem Strich und kräftigen Farben bannt sie kulturelle Mikromilieus auf die Leinwand, als wolle sie sie vor Uniformierung und Globalisierung bewahren. Auch Sujets aus Zürich - ein düsterer Blick in eine Aussersihler Bar etwa - kommen zum Zug, seit die Künstlerin nach ihrem Studium an der Academy of Fine Arts Helsinki wieder in Zürich lebt.


Der Serie der Innenräume eng verwandt ist Frauenfelders zweiter thematischer Fokus: die Zoos und Museen. Das wohl emblematischste Werk zeigt einen Bartgeier, der soeben ein Beutetier geschlagen hat, die Flügel kathedralenartig darüber aufgespannt - doch die Szene spielt sich nicht wirklich ab, sondern auf einem Museumssockel. Auf einem andern Bild zeigt ein Jäger einen erlegten Hirsch her. Macho-Posen und Triumphgesten, in denen die Künstlerin symbolisch Gewaltpotenziale in Politik und Gesellschaft darstellt. "Das Durchleuchten und Herzeigen sämtlicher Lebensbereiche ist ein aggressives Handlungsmuster westlicher Gesellschaften", sagt Frauenfelder. Virtuos und mit viel Oberflächenreiz setzt sie die Verführungskraft solcher Gesten ins Bild. Und bietet somit weit mehr als gute Unterhaltung für das reizverwöhnte Auge.


El Frauenfelder
1979 geboren in Zürich
2000-2005 Studium an der Academy of Fine Arts Helsinki
Abschluss des Studiums mit dem Master in Malerei


STEAKHOUSE, 2005
Zeichentrickfilm, 7:13 min
Story, Zeichnungen und Animation: El Frauenfelder
Soundtrack: Jacobee
Vocals: Dani Dov
Thanks to: Henri Tani
DVD, Auflage unlimitiert


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