David Chieppo
Perennially Ephemeral

Ausstellung vom 15. Januar - 13. März 2010




Chicks, Chiquitas, Charity, 2009, Oil on wood, 65.5 x 89 cm



Paul M. Pearson Housing Projects, 2009, Oil on wood, 41.5 x 52 cm



Call a Cab, 2009, Oil on wood, 39 x 46.5 cm



Töffli, 2009, Oil on wood, 41.5 x 52 cm



3 Girls, Oil on wood, 48.5 x 55 cm



Lego Desert Batle Scene, 2008, Oil on wood, 32 x 41 cm



Free World Tragedy, 2009, Oil on wood, 44 x 57 cm



Kiss of Life, 2008/2009, Oil on wood, 48.5 x 61 cm



Untitled, 2008, Oil on wood, 45 x 52 cm



Untitled, 2009, Oil on wood, 38 x 50 cm



Untitled, 2008, Oil on wood, 59 x 71.5 cm



Untitled, 2009, Oil on wood, 50 x 38 cm



Gorgeous, 2010, Oil on wood, 57.5 x 45 cm



Winona Ryder, 2009, Oil on wood, 60.5 x 46.5 cm


Perennially Ephemeral
David Chieppo in der Galerie Brigitte Weiss, Zürich


Wir treten in die Ausstellung ein und lassen den Blick über die Ölbilder schweifen: Bananenverkäufer verhandeln mit Kunden, ein Lego-Kampftruppe bekämpft ein Monster, ein Mann zieht einen Revolver und ein Töffli steht vergessen im Gras. Blick auf die Einladungskarte: Perennially Ephemeral. Oje. Wie zum Geier spricht man das aus? Wir nähern uns dem Mann mit Revolver. Möglicherweise ist er ein frustrierter Schauspieler, der verzweifelt probiert, die Waffe in der zu engen Hose zu verstauen. Oder hat der Bösewicht gerade eben einen Menschen erschossen? Die Szene kennen wir, das haben wir doch in einem Film gesehen! Er ist verletzt!?

Unsere Augen sind sich daran gewöhnt, blitzschnell Bilder aufzunehmen, zu verarbeiten und Unwichtiges zu vergessen. Der Blick fällt auf das Ölbild "Call a Cab" (2009). Der Aufbau des Werkes ist einfach, die Textfetzen wirken infantil und wir fragen uns, was die Blume prominent auf der rechten Seite bedeuten könnte. Fight the power, Call a cab, Love your neighbour. Die Sätze erinnern uns an Befehle aus Comics. Der maskenartige Kopf des Mannes scheint das Mädchen zu bedrohen. Fight the power. Sollen wir die Macht bekämpfen? Welche Macht?

David Chieppo findet seine Sujets in Büchern, Filmen oder Zeitungen, reisst sie aus ihrem ursprünglichen Kontext heraus und fügt sie neu zusammen. Durch die erneuerte Komposition werden die Elemente verfremdet und unerwartete narrative Zusammenhänge bilden sich. Dabei sucht Chieppo die Doppeldeutigkeit: er reduziert den Bildinhalt bis auf den labilen Punkt einer Balance, die eine Vielfalt von Interpretationen zulassen. Nicht selten kippt dieses Gleichgewicht in ein humorvolles Szenario, welches aus dem Besucher ein Lächeln herauskitzelt. Seine Werke werden manchmal fälschlicherweise als melancholisch abgestempelt; das interessierte Auge bemerkt aber schnell, dass es sich hierbei um eine Kulisse handelt, welche die Absurdität der Inhalte zu kaschieren vermag.

Wir drehen uns um und sehen neben einer riesigen abstrakten Farbkomposition drei Gestalten, die in Pastellfarben übereinander liegen. Der Bildtitel klärt uns über das Geschlecht auf: 3 Girls (2009). Wieder beginnen unsere Gehirne im Eiltempo Assoziationen durchzurattern. Die narrative Ambivalenz der Bildaussage macht eine vertretbare Interpretation unmöglich. Ist alles nur pseudonaive Ironie? Oder sollen uns die Bilder herausfordern, stehen zu bleiben, um das Absolute des Visuellen zu bekämpfen?

David Chieppo ist ein sensibler, analytischer Künstler. Er versucht, mit impulsiver Pinselführung die narrativen Möglichkeiten der Malerei neu auszuloten. Sobald er beobachtet, dass die Handlung, die Idee, der Titel oder gar die Farbe zu eindeutig werden, reduziert er.

Wir stecken unsere Köpfe in den Gang. Eine violette Blume, "Gorgeous" (2010), lacht uns expressiv entgegen. Wir erinnern uns an die Blume in "Call a Cab" (2009) von vorhin. Perennially Ephemeral? Werden diese Blumen ewig blühen? Werden wir ewig blühen?

David Chieppo arbeitet in Begleitung von Musik. Diese schöpferische Arbeitsweise scheint seine Werke in Komposition, Rhythmus, Dramaturgie und Kolorierung stark zu beeinflussen. Wir tun uns schwer, ihn einzuordnen; er ist wie ein Sieb, das interessante Stücke der weitläufigen Kunstgeschichte herausfiltert und anders zusammenbaut. So scheinen wir in seinen Bildwelten christliche Ikonografie, die Comic Welt und andere Fetische der amerikanischen Kultur wiederzuerkennen. Wir bemerken auch, dass seine letzten Arbeiten leichter, farbiger und expressiver geworden sind.

Wir betreten den letzten Raum der Ausstellung. Unser Auge jagt über abstrakte Farbflecken, einen sonderbaren Längsschnitt eines Kopfes, eine Person, die zwei Leute auf einmal reanimiert (Kiss of Life, 2008/2009), eine unheimliche Stadtansicht mit Beinen und ein Streifenbild (Free World Tragedy, 2009).

Nachdenklich verlasse ich die Galerie und realisiere, dass ich gar kein kunsthistorisches Silberbesteck benötigt habe, um David Chieppos Werke zu verzehren.

Larkin Erdmann
Studiert Kunstgeschichte in Zürich






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